23.03.2020

Museumsgeschichten: Der Schatz aus dem Waldboden

Das Museum Biberach ist leider geschlossen. Aber auf diesem digitalen Weg erzählen wir Ihnen in regelmäßiger Folge interessante Geschichten über bedeutsame Gegenstände aus unserer Museumssammlung. Heute: der Schatz aus dem Waldboden.
Juwelenbesetzter Blumenkorb, Johann Melchior Dinglinger (Biberach 1664 - Dresden 1731), B 30 cm, Dresden vor 1701, Museum Biberach
Der Schatz aus dem Waldboden

Juwelenbesetzter Blumenkorb, Johann Melchior Dinglinger (Biberach 1664 – Dresden 1731), B 30 cm, Dresden vor 1701, Museum Biberach

Es war im Januar 1945, als Prinz Ernst Heinrich von Sachsen in Erwartung der anrückenden Roten Armee Teile des unschätzbaren Inventars von Schloss Moritzburg bei Dresden in 40 Kisten verpacken und in einer Waldlichtung vergraben ließ. Obwohl die Russen das Versteck 1947 aufdeckten, blieben die wertvollsten Familienerbstücke unentdeckt, bis 1996 einem jungen Schatzsucher mit einem Metallsuchgerät der Fund seines Lebens gelang: Auseinanderfallende Bretter und Erde bedeckten korrodierte Kostbarkeiten, Goldschmiedearbeiten, Münzen, Medaillen, Tafelsilber und Juwelen.

Im Dezember 1999 kommt dieser „Schatz aus dem Waldboden“ in London zur Auktion, darunter auch Johann Melchior Dinglingers juwelenbesetzter Blumenkorb. Das Kabinettstück ist eines der seltenen Frühwerke des überragenden Dresdener Hofgoldschmieds, der gebürtig aus Biberach stammt. Das Bouquet wird von dem Mäzen und Ehrenbürger der Stadt Biberach Bruno Frey erworben, der es ins Museum Biberach gibt.

Heute erstrahlt das barocke Blumengebinde – zurückhaltend restauriert – in bezaubernder Farbenpracht. Der Korb besteht aus silbervergoldeten Weidenbändern. Die Blumen sind botanisch genau nachgebildet. 200 der 390 Edelsteine formen 57 emaillierte Blütenstände. Drei Insekten, eine Libelle, ein Schmetterling und ein Käfer, sind in das Blattwerk gefügt. Der mit Smaragden und Diamanten besetzte silberne Drache ist der symbolische Wächter der Schatulle.

Johann Melchior Dinglinger gilt als einer der großen Goldschmiede seiner Zeit. Er wird 1664 als Sohn eines Messerschmiedes in Biberach geboren. Nach seiner Ausbildung zum Goldschmied in Ulm gelangt er 1692 nach Dresden und wird dort 1698 Hofgoldschmied. In vier Jahrzehnten der ausschließlichen Tätigkeit für den Sachsenkönig August den Starken liefert er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern Meisterwerke der Juwelierskunst, die bis heute zu den Attraktionen des Grünen Gewölbes in Dresden zählen.