28.03.2020

Museumsgeschichten: Römische Spuren in Ton

Mit den Museumsgeschichten möchte das Museum auf digitalem Wege bedeutsame Gegenstände und interessante künstlerische Positionen aus seiner Sammlung und seinen Ausstellungen präsentieren. Heute: römische Spuren in Ton.
Fragment einer Ziegel-Bodenplatte mit dem Fußabdruck eines Kindes und vier Trittspuren von einem Reh, L 35 cm, 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus, Ummendorf, Museum Biberach
Römische Spuren in Ton

Fragment einer Ziegel-Bodenplatte mit dem Fußabdruck eines Kindes und vier Trittspuren von einem Reh, L 35 cm, 2. bis 3. Jahrhundert nach Christus, Ummendorf, Museum Biberach

Im Jahr 1880 entdeckt der Stuttgarter Theologe, Altertumsforscher und Archäologiepionier Konrad Miller südwestlich von Ummendorf einen römischen Gutshof mit nebenliegendem Badegebäude. Es sind Belege für römische Lebensart hinter dem Limes aus der Spätphase des römischen Reiches im 2. bis 3. Jahrhundert. Im Jahr 1902 stellt Miller dem neu gegründeten Biberacher Museum einige seiner Keramikfunde zur Verfügung. Im selben Jahr ergänzt Freiherr Richard von Koenig-Warthausen die Ummendorfer Funde durch die Schenkung römischer Ziegelplatten, die Tierspuren und sogar menschliche Fußabdrücke aufweisen. Die Tonplatten deuten auf die Tätigkeit einer örtlichen Ziegelei hin. Die noch feuchten Ziegel müssen dort zum Trocknen ausgelegt worden sein.

Im März 1960 untersucht der Biberacher Denkmalpfleger Max Zengerle in 250 Metern Entfernung vom Ummendorfer Gutshof in einer Kiesgrube freigelegtes römisches Mauerwerk. An einer Zungenmauer, Holzkohle und Ziegelfehlbränden erkennt er die Fundamente eines Brennofens. Hier scheint die Ziegelei gelegen zu haben, von der die Tonplatten stammen.

Auf einer dieser Tonplatten hat sich die Fußspur eines Kindes erhalten. Über beinahe 2.000 Jahre bewahrt das irdene Gedächtnis den Eindruck eines Augenblicks. Die Spur – jung und uralt zugleich – hat für den Beschauer etwas Anrührendes. Es ist damals nichts Bedeutendes geschehen. Ein Kind geht achtlos über zum Trocknen ausgelegte feuchte Tonziegel, eine junge Hirtin vielleicht, denn eine andere Platte trägt die Fährte einer Ziege. Der Ziegelbrenner hat das Kind womöglich gescholten, aber die so gezeichnete Tonplatte nicht verworfen. Sie wird gebrannt und als einziges Zeugnis eines Menschen überliefert, von dem wir nichts wissen, als dass er gelebt hat und sich gewiss nicht träumen ließ, dass seiner zierlichen Fußspur die Ehre zuteilwird, dereinst in einem Museum aufgestellt zu werden.