18.05.2020

Museumsgeschichten: Kater Boby von Ernst Ludwig Kirchner

Mit den Museumsgeschichten möchte das Museum auf digitalem Weg besondere Kostbarkeiten, Kuriositäten oder Seltenheiten aus der Museumssammlung und künstlerische Positionen präsentieren. Heute: Kater Boby von Ernst Ludwig Kirchner.

Menschen und Katzen verbindet eine ganz besondere Beziehung, die vor über 10.000 Jahren begann und sich heute auch in der digitalen Welt fortführt: Nichts wird online so oft geklickt, geliked und kommentiert wie Cat Content.

Katzenvideos sind die erfolgreichsten Videos im Internet. Und auch wenn die Samtpfoten sehr unabhängig und individualistisch wirken, so ist das weitgehegte Vorurteil, Katzen sähen Menschen lediglich als Futterbringer und Dosenöffner, nicht richtig. Denn Katzen und Menschen können eine innige Freundschaft eingehen.

So erging es auch vor hundert Jahren Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), der zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus gehört, mit seinem Kater Boby.

Über seinen Kater notiert Kirchner am 30. Juli 1919 in sein Tagebuch: "Boby, der kleine Kater, ist jetzt hier. Sauber und lebendig, eine recht interessante Gesellschaft ... Hoffentlich kann ich den kleinen Mann halten." Es war der Beginn einer lebenslangen Freundschaft.

Boby blieb elf Jahre bis zu seinem Tod 1930 und wurde dem Künstler in mehr als 100 Zeichnungen und Pastellen, in zahlreichen druckgrafischen Arbeiten sowie in einem Dutzend Gemälde zum Motiv. Meist gibt er ihn als verspieltes Haustier wider oder als vorbeistreichenden Mitbewohner. In keiner Arbeit setzt er ihn so monumental ins Zentrum wie in dem im Museum Biberach zu sehenden Gemälde.

Boby sitzt vor einem Gartenzaun, dessen Streben hinter ihm aufragen. Dahinter ist die Silhouette der Berge zu erkennen. Löwenzahnblüten ragen empor. Den Körper aufgerichtet, die Augen weit geöffnet blickt er aus dem Bild heraus. Wie ein Panter oder eine ägyptische Gottheit scheint er darauf zu warten, dass man ihm huldigt.

Das Gemälde entstand in den Jahren 1924 bis 1926 und steht in Kirchners Werk für eine Übergangsphase. Mehr und mehr wählt er Pastelltöne, besonders das Spektrum der – wie er sich ausdrückte – "vornehmen" Farbe Violett. Die gerundeten Formen verleihen dem Bild etwas Dekoratives. Für das Fell wählt er Violett-, Blau- und Schwarztöne, an denen sich der Lichteinfall ablesen lässt.

Ernst Ludwig Kirchner, »Schwarzer Kater«, 1924/26