03.04.2020

Museumsgeschichten: Die Räuberbande des Schwarzen Veri

Mit den Museumsgeschichten möchte das Museum auf digitalem Wege bedeutsame Gegenstände und interessante künstlerische Positionen aus seiner Sammlung und seinen Ausstellungen präsentieren. Heute: Die Räuberbande des Schwarzen Veri.
Die Räuberbande des Schwarzen Veri, Johann Baptist Pflug (Biberach 1785 - Biberach 1866), Gouache auf Papier, H 42 x B 64 cm, 1824, Museum Biberach; © Konrad Hoffmann

Im Jahr 1924 erwirbt die Stadt Biberach für sein noch junges städtisches Museum ein Räuberaquarell im Stuttgarter Kunsthandel. Es handelt sich um ein repräsentatives Gruppenporträt der berüchtigten oberschwäbischen Räuber, die um das Jahr 1819 ihr Unwesen in der Gegend trieben und vom Biberacher Maler Johann Baptist Pflug nachträglich mehrfach ins Bild gesetzt wurden. Pflug überliefert ein geschöntes Bild dieser armen Vaganten, die nach der Hungersnot von 1816/17 eher Getriebene waren als schlimme Verbrecher.

Der Künstler gibt einen Eindruck von einem Räuberfest im Wald. Allerdings wäre ohne den Bildtitel nicht sofort klar, dass es sich um eine Räuberbande handelt. Für uns Heutige ist zunächst bloß eine ausgelassen dem Trunke zusprechende, ansonsten freundliche Gesellschaft zu sehen. Waffen werden nicht gezeigt. Johann Baptist Pflug malt die Räuber nicht wie sie wirklich gewesen sind. Realismus ist von einem Maler des frühen 19. Jahrhunderts auch nicht zu erwarten. Gleichwohl gibt er Hinweise zur Bildentschlüsselung, die für die Zeitgenossen eindeutig gewesen sind. So malt er allen Räuberinnen und Räubern Ohrringe – soweit die Ohren nicht von wilden Frisuren verdeckt werden –, obwohl die Räuber (das geht aus den Gerichtsakten hervor), keine Schmuckgegenstände besessen haben.

Die auffälligste Liederlichkeit in diesem Bild ist das Branntweintrinken. Die alte Katharina Gebhard stürzt einen Becher, so dass ihr der Schnaps die Wange hinunterläuft, und Friedrich Klump wirft einen leeren Krug vor sich zu Boden, wo er zerspringt. Auch scheint die Frau im Vordergrund betrunken zu sein. Keine Bürgersfrau hätte sich so gezeigt. Sie hätte nicht einmal ein Kleid mit Dekolletee und kurzen Ärmeln in der Öffentlichkeit getragen. Und kein Bürger hätte die Brust entblößt und den Hut schief auf den Kopf gesetzt. Joseph Anton Jung, der Condeer, trägt ein Hemd mit zerrissenem Ärmel. Und Josepha Tochtermann, die Günzburger Sephe und Partnerin des Xaver Hohenleiter, genannt: der Schwarze Veri, hält eine Kaffeemühle in Händen, ein Luxusgut, das – so legt es der Kontext nahe – geraubt wurde.

Im Vordergrund liegen weitere Beutestücke: Zucker, Stoffballen, Kästen und Geschirr sowie große Kandelaber und goldene Kelche, die nach Kirchengut aussehen. Auch hier geht der Künstler virtuos mit der Wirklichkeit um, denn die Bande unternimmt keinen Kirchenraub. Vermutlich dienen die auffällig arrangierten Gegenstände in Gold und Silber der besseren Interpretierbarkeit des Bildes. Am Ende bietet die Bildlegende auf dem Passepartout eine ausführliche Erläuterung. Links und rechts setzt Johann Baptist Pflug je eine Eule auf gekreuzte Pistolen, zwischen deren Fängen Dietriche hängen, darüber je ein Pulverhorn und eine Mondsichel.