22.09.2020

Museumsgeschichte: Konkrete Kunst von Mária Bartuszová

Mit den Museumsgeschichten möchte das Museum auf digitalem Weg besondere Kostbarkeiten, Kuriositäten oder Seltenheiten aus der Museumssammlung und künstlerische Positionen präsentieren. Heute: Konkrete Kunst von Mária Bartuszová.
Mária Bartuszová, Weißes Relief.

Die über hundertjährige Sammlungsgeschichte des Museums Biberach birgt zahlreiche kunsthistorische Schätze. Nicht alle können in der ständigen Sammlung präsentiert werden und so lohnt sich ein Blick in das umfangreiche Magazin, um den Wert und die Bedeutung der Sammlung des Museums im Ganzen zu erfassen.

Zu den besonderen Schätzen gehört die Aluminiumarbeit „Weißes Relief“ (1968) von Mária Bartuszová, die 1936 in Prag geboren wurde.

Nach ihrem Kunststudium an der Akademie für Kunst, Architektur und Design Prag zog die Künstlerin in den 1960er-Jahren nach Košice in der heutigen Slowakei und arbeitete dort in relativer Isolation abseits der osteuropäischen Kunstzentren. Erschwerend hinzu kam das Leben in einem totalitären System.

Dennoch nahm Bartuszová an zahlreichen Gruppenausstellungen teil und war Mitglied in der international kooperierenden Künstlergruppe „Klub der Konkretisten“.

Ihre formellen Experimente im Bereich Skulptur und Plastik reichten von geometrisch-elementaren Formen aus Aluminium bis zu organisch-abstrakten Skulpturen aus weißem Gips, deren biomorphe Formen von der Natur und der menschlichen Gestalt beeinflusst wurden.

Obwohl die Künstlerin nach ihrem Tod 1996 mehr als 400 Arbeiten hinterließ, wurde sie von der Nachwelt zunächst beinahe vergessen. Erst die Documenta 12 in Kassel warf 2007 ein Schlaglicht auf die Pionierleistung Mária Bartuszovás für die moderne Kunstentwicklung nach 1960.

Seither war ihr Werk vermehrt in internationalen Ausstellungen zu sehen und erhält mit einer geplanten großen Retrospektive in der Tate Modern in London und dem Belvedere 21 in Wien die längst überfällige kunsthistorische Würdigung. 

Doch was hat die slowakische Künstlerin Mária Bartuszová nun mit unserem Museum zu tun? Wie kam die Aluminiumarbeit hierher?

Die Archivunterlagen verraten, dass das „Weißes Relief“ das erste Werk war, das die Künstlerin international verkaufte – und das an die Stadt Biberach.

Daran schließt sich die Frage an: Wieso hat die Stadt Biberach dieses Werk im Jahr 1969 angekauft?

Hintergrund war eine Ausstellung zu moderner und naiver Kunst aus der Slowakei, die vom 26. Januar bis 2. März 1969 im Wechselausstellungsraum des Braith-Mali-Museums im Rahmen der Biberacher Veranstaltungsreihe „Theater, Literatur, Musik, Bildende Kunst aus der Tschechoslowakei“ präsentiert wurde.

Die kulturellen Bestrebungen dieser Veranstaltungsreihe durch den Eisernen Vorhang hindurch waren im Zuge des Prager Frühlings 1968 und dessen gewaltsamer Niederschlagung durch am 21. August 1968 einmarschierende Truppen des Warschauer Paktes politisch hochaktuell.

Entsprechend formulierte der damalige Oberbürgermeister von Biberach, Claus-Wilhelm Hoffmann, in seiner Eröffnungsrede die Dringlichkeit für Frieden und kulturellen Austausch.

Da sich im Laufe der Zeit die Klebungen der Arbeit „Weißes Relief“ von Mária Bartuszová gelöst haben, befindet sich das Werk momentan in der Restaurierung und wird im nächsten Jahr in der Sammlungspräsentation „Kunst 20. Jahrhundert“ im Museum Biberach gezeigt.