16.12.2020

Museumsgeschichte: Historische Weihnachtskrippe

Mit den Museumsgeschichten möchte das Museum auf digitalem Weg besondere Kostbarkeiten, Kuriositäten oder Seltenheiten aus der Museumssammlung und künstlerische Positionen präsentieren. Heute: Historische Weihnachtskrippe.

Alle Jahre wieder präsentiert das Museum Biberach in der Adventszeit die historische Weihnachtskrippe aus der Katholischen Hospitalkirche – nur in diesem Jahr 2020 Corona-bedingt leider nicht, denn das Museum ist ja geschlossen.

Die Krippe weist eine Breite von gut zwei Metern und eine Höhe von knapp einem Meter auf. Über viele Jahrzehnte – solange selbst alte Biberacher Gemeindemitglieder zurückdenken können – stand sie an Weihnachten in der Katholischen Hospitalkirche.

Mit ihren Kuppeln und Zwiebeltürmen der in die Felslandschaft eingebauten Stadt ist die Krippe aus der süddeutschen barocken Krippentradition beeinflusst. Zugleich zeigt sie das orientalische Jerusalem und realistische Aspekte der historischen Weihnacht. Somit stammt die Krippe aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zur Szenerie gehören 81 Figuren: Schafe, Esel und Ochsen, Kamele und Elefanten, dazu die Hirten, einige Mohren, die Heiligen Drei Könige und die Heilige Familie; vor allem letztere gehören nicht mehr zur originalen Ausstattung.

Nach den Unterlagen des Katholischen Pfarramts St. Martinus und St. Maria wurde die Krippe in den 1890er Jahren von dem Biberacher Buchbindermeister Alois Zell (1869-1947) mit seinen Gehilfen gefertigt. Alois Zell war seinerzeit der Biberacher Krippenspezialist. Schon sein Vater hatte so genannte „Krippenberge“ angeboten. Seit 1895 inserierte Alois Zell regelmäßig an Weihnachten im „Anzeiger vom Oberland“ mit selbstgebauten Krippen nebst Ausstattung.

Heute ist die historische Weihnachtskrippe aus der Katholischen Hospitalkirche die älteste erhaltene Krippe in Biberach. Die etwas ältere ehemalige Krippe aus der Stadtpfarrkirche hat sich nicht erhalten. Von ihr gibt es nur noch Fotografien. Darüber hinaus gibt es keine Hinweise auf noch ältere Weihnachtskrippen in Biberach.

Während es in den Klöstern im oberschwäbischen Umland seit dem 17. Jahrhundert zum Teil große und kostbare Barockkrippen gab, scheint sich das doppeltkonfessionelle, aber mehrheitlich evangelische Biberach der seit der Gegenreformation ausgreifenden Verbreitung der Weihnachtskrippen entzogen zu haben. Stattdessen pflegt man eigene Weihnachtsbräuche, das „Kindlewiegen“, das „Weihnachtssingen“ und das „Christkind-Herablassen“.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts dringt der Brauch der Weihnachtskrippen auch nach Biberach vor und relativ zeitnah werden zuerst in der Stadtpfarrkirche und kurz danach in der Katholischen Hospitalkirche zwei repräsentative Krippen aufgebaut. Vermutlich dauerte es noch Jahrzehnte, bis der Gebrauch von Weihnachtskrippen in Biberach auch im privaten Rahmen selbstverständlich wurde. Nicht ganz unerheblich war dabei, dass Biberach seit der Jahrhundertwende durch den Zuzug aus dem Umland mehrheitlich katholisch geworden war.

Historische Weihnachtskrippe, ehemals aus der Katholischen Hospitalkirche Biberach, Holz, Korkrinde und Pappe, um 1895, ein Geschenk der katholischen Pfarrgemeinde St. Martinus und St. Maria an das Museum Biberach 2003