16.05.2022

Ankommen 1945-1960

Das Museum Biberach zeigt ab dem 21. Mai eine Sonderausstellung zum Thema Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist kaum zu glauben, aber im Jahr 1960 bildete der Flüchtlingsanteil an der Biberacher Bevölkerung beinahe ein Drittel.

Es ist heute weit in den Hintergrund geraten, dass das zerstörte und geteilte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen hat. Allein im kleinen Biberach waren es zwischen 1945 und 1960 fast 6.000 Menschen bei 21.000 Einwohnern. Die meisten Neubürger kamen aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern, Deutschböhmen und den donauschwäbischen Gebieten.

Heute nach mehr als 70 Jahren erscheint ihre Integration geglückt. Aber die historische Wirklichkeit verlief in den 1950er Jahren wenig harmonisch. Jahrzehntelang wurden Flüchtlinge und Vertriebene abfällig behandelt, benachteiligt und als Bürger am Rande Biberachs angesehen. Es ist bezeichnend, dass 1950 eine Flüchtlingssiedlung beim Auffanglager im Gaisental am damaligen Stadtrand angelegt wurde, ebenso wie später der Stadtteil Weißes Bild.

Wie haben die damals Betroffenen ihre neue kalte Heimat erlebt? Unter welchen Bedingungen sind sie nach Biberach gekommen? Wie beschreiben sie ihre Integration? Bedeutete sie Anpassung oder wurden kulturelle Eigenarten bewahrt? Welche Beiträge zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Biberachs nach 1945 haben die Flüchtlinge und Vertriebenen erbracht?

Diesen Fragen geht die Ausstellung „Ankommen“ im Museum Biberach nach und lässt dabei Zeitzeugen zu Wort kommen. Hörstationen mit Originalaussagen von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie zeitgenössische Filmausschnitte steigern die Eindringlichkeit der Darstellung. Auch der Gegenwartsbezug wird diskutiert.