22.03.2018

Nordwestumfahrung wird zur B 30 verlängert

Die im Jahr 2013 für den Verkehr freigegebene Nordwestumfahrung als Verbindung zwischen der B 312 und der L 267 wird in östlicher Richtung direkt zur B 30 verlängert. Es ist Variante zwei von drei untersuchten Trassen. Dieser Planung hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich zugestimmt und ist damit der Empfehlung des Bauausschusses gefolgt.
Variante zwei, die zwischen Oberhöfen und Mettenberg verläuft, ist die Lösung, die die Planer in Abwägung vieler einzelner Komponenten herausgefiltert haben.

Variante zwei, die zwischen Oberhöfen und Mettenberg verläuft, ist die Lösung, die die Planer in Abwägung vieler einzelner Komponenten herausgefiltert haben. Variante eins als Verlängerung der Ortsumfahrung Warthausen nördlich von Oberhöfen bis zur B 30 ist mit 1,4 Kilometer die kürzeste, Variante zwei misst 1,9 Kilometer, Variante drei als Verlängerung der Blosenbergstraße in Richtung Südosten, die südlich von Mettenberg an die B 30 anknüpfen würde, wird mit 4,1 Kilometer angegeben. Letztere verbraucht am meisten Fläche (sechs Hektar mehr als Variante zwei).

Der Ortschaftsrat Mettenberg hat alle drei Varianten abgelehnt. Der Eingriff in die Natur sei zu groß, gab Ortsvorsteher Andreas Wachter die Stimmungslage in der Sitzung wieder, außerdem gebe es bislang keine vertragliche Verpflichtung der Stadt zu innerstädtischen Maßnahmen. Die könne es auch noch nicht geben, hielt Baubürgermeister Kuhlmann dagegen, sie müssten erst konkretisiert werden.

Verkehrsplaner Neumann sprach von einer Vielzahl von Verkehrszählungen, mit denen Zahlen von Untersuchungen aus dem Jahr 2009 aktualisiert wurden, von einer Engstellenanalyse für Biberach im Jahr 2015 und bezifferte den Quell- und Zielverkehr in Biberach innerhalb von 24 Stunden mit 80 000 Kfz-Fahrten, den Durchgangsverkehr mit 15 000.

Dazu käme noch der innerstädtische Verkehr mit 75 000 Bewegungen am Tag. „Hier ist Handlungsbedarf gegeben“, meinte Neumann. Zumal durch die anstehenden Veränderungen mit dem neuen Klinikstandort, mit der Bebauung des alten Krankenhausareals und des Postareals sowie der Gewerbefläche am Flugplatz eine weitere Zunahme des Verkehrs zu erwarten ist. Neumann attestiert der Variante zwei „die höchste verkehrliche Wirksamkeit“, allerdings nur mit ergänzenden Maßnahmen. „Die Trasse allein löst das Problem nicht“, so Neumann.

Auch Burchard Stocks vom Büro Umweltsicherung und Infrastrukturplanung in Tübingen gibt Variante zwei den Vorzug. Er hat die Untersuchungen vielfältiger Schutzgüter vorgestellt, von Mensch über Umwelt, Artenschutz bis zu FFH-Belangen. Und er hat angesichts der geografischen Lage sogar einen „bergmännischen Vortrieb“, also einen Tunnel, nicht ausgeschlossen. Andernfalls müsste viel Erde abgetragen, aber in einem großen Bereich die Trasse dann auch wieder überdeckelt werden.

Im Bauausschuss gab es überwiegend Zustimmung. Friedrich Kolesch (CDU) nannte es gut, „wenn das, was einem der gesunde Menschenverstand sagt, auch bei den Untersuchungen herauskommt“. Dass man sich zu verkehrslenkenden Maßnahmen verpflichten müsse, „ist klar“. Und der Eingriff in die Landschaft müsse so schonend wie möglich erfolgen. Die Option Tunnel müsse man prüfen.

Restlos überzeugt war man in der SPD-Fraktion von den Alternativen zu Variante zwei nicht, meinte Gabriele Kübler. Die Argumente nannte sie nachvollziehbar. Erschreckend seien die hohen Erdmassebewegungen, „ökologisch schmerzt das“. Verkehrslenkende Maßnahmen in der Stadt hingegen seien „heute schon dringend notwendig“.

Auch für Ulrich Heinkele (FW) ist klar, „dass das innerstädtische Netz ausgebaut werden muss“. Zusätzliche Maßnahmen müssten her. Er vermisste darüber hinaus Zahlen zu den Kosten des Vorhabens. Vor allem nun auch eine vergleichende Kostenprognose von Tunnel und Überdeckelung.

Dass Josef Weber (Grüne) von den Plänen nichts hält, war keine Überraschung. Er bevorzugt eine Verringerung des innerstädtischen Verkehrs, indem die Leute dazu gebracht werden, den ÖPNV zu nutzen, Rad zu fahren oder zu laufen. Ein-Euro- oder Job-Tickets seien notwendig. Seit 1995 beschäftige man sich in Mettenberg mit dieser Straße. Wenn wenigstens die Ortsdurchfahrt hätte beruhigt werden können, wäre das ein Trost gewesen, „jetzt haben wir gar nichts“. Bedauern auch über „weitere zehn Hektar Verlust an landwirtschaftlicher Nutzfläche“. Und wenn Tunnel, „dann gleich von unten“.

Für Alfred Braig (FDP) ist der Aufstieg B 30 „längst beschlossen“ und „trotz aller Konflikte, die wir alle sehen, notwendig“. Inklusive des innerstädtischen strategischen Netzes. Mit einer Tunnellösung könne man sich anfreunden: „Damit könnten wir leben.“

Die zeitliche Schiene ist freilich noch nicht abzusehen. Das Planfeststellungsverfahren ist im Jahr 2019 vorgesehen, teilte Baubürgermeister Christian Kuhlmann mit. In der Beschlussvorlage ist ein „Prognosehorizont“ auf 2035 datiert. So schnell werden die Bagger also nicht anrollen.