10.10.2020

Adrian Kutter ist Ehrenbürger

Für seine herausragenden Verdienste um die Biberacher Filmfestspiele ist Adrian Kutter vom Biberacher Gemeinderat vor rund 120 geladenen Gästen in der Stadthalle mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet worden. Oberbürgermeister Norbert Zeidler pries Kutters überragende Lebensleistung und seine unersättliche Leidenschaft und Liebe für den Film und für seine Heimatstadt Biberach.
Ehrenbürger Adrian Kutter erhält die Ehrenbürgerurkunde von OB Zeidler

„Sie haben die große, weite Welt des Films ins kleine, beschauliche Biberach geholt“, sagte Oberbürgermeister Zeidler über Adrian Kutter in seiner Begrüßung. „Wer auch nur einmal kurz mit Ihnen zu tun hatte, der spürt, welche Leidenschaft für den Film Sie treibt.“ Das Festival habe einmal klein angefangen, heute sei es jedes Jahr eine fordernde, eine gewaltige Aufgabe. Zu Kutters Entschlossenheit sei das hinzugekommen, was man Kairos nennt – das Glück des Augenblicks, die Gunst der Stunde. „Ihr Festival ist zu einem Leuchtturm geworden – für Biberach, für die Region und für Deutschland! Sie haben damit unserer Stadt ein Glanzlicht geschenkt – das nach innen und außen strahlt.“

Anders als mit dieser Leidenschaft lasse sich nicht erklären, dass Kutter 40 Jahre lang unentgeltlich ein Filmfestival dieser Größe organisiert habe. Das Renommee dieses Festes sei verbunden mit seiner Person: er habe das „Who‘s who“ des Deutschen Films nach Biberach gebracht, und dass Filmschaffende gerne nach Biberach kommen, habe mit „dem Adrian“ zu tun, den alle kennen und den sie für seine Fachkompetenz, seine Gradlinigkeit und Herzlichkeit schätzen, sagte Zeidler anerkennend. Das gelte auch in die andere Richtung: Kutter habe den Namen seiner Heimatstadt bekannt gemacht in der Welt des großen Films. Er habe keinen geringeren als Volker Schlöndorff zu der Aussage hingerissen, Biberach sei „das Mekka des deutschen Films“.

Laudator Claus-Wilhelm Hoffmann ließ wissen, das Biberacher Kino sei für ihn schon immer etwas Besonderes gewesen. Er habe hier als Elfjähriger sein erstes großes Kinoerlebnis im Filmtheater von Kutters Großvater gehabt. Als er dann Jahrzehnte später Oberbürgermeister von Biberach gewesen sei, habe ihn gefreut, als Adrian Kutter ab 1973 die Filmtheaterbetriebe von seinem Vater übernommen habe. Kutter habe das Urania-Kino sofort in einen „Filmkunst-Tempel“ mit Schwerpunkt „Deutscher Film“ verwandelt. Er sei das Wagnis eingegangen, mit den Erträgen des populären Kinos künstlerisch wertvolle, aber weniger gut besuchte Filme zu zeigen. Wegen seiner Bemühungen um den deutschen Film sei Kutter unter anderem zum Vorsitzenden der Gilde deutscher Filmkunsttheater gewählt worden, zum Vizepräsidenten des Weltverbandes der Filmkunsttheater und zum Jurymitglied der Berlinale.

Ende 1975 habe er dann Werner Herzog mit seinem Film „Jeder für sich und Gott gegen alle“ und andere Filmschaffende zur Diskussion nach Biberach eingeladen; es folgten Wim Wenders, Margarete von Trotta, Edgar Reitz, Volker Schlöndorff und viele andere. Und in der Konsequenz sei am 28. November 1979 schließlich der Startschuss für die ersten Biberacher Filmfestspiele gefallen, die die Stadt von Beginn an gefördert habe. Zum Ende seiner Rede zitierte der Kinofreund Hoffmann den spanischen Regisseur Pedro Almodóvar: „Das Kino kann die Leere und Einsamkeit in deinem Leben ausfüllen.“ Man könnte hinzufügen: Weil es so wunderbare Geschichten erzählt.

Auch Adrian Kutter ist bekanntlich ein begnadeter, manchmal gefürchteter Erzähler und Redner. Vielleicht hat er diese Gabe ja auch den abertausenden Kinofilmen zu verdanken, die er im Lauf der Zeit gesehen und bewertet hat.

Jedenfalls holte er in seiner Dankesrede weit aus und beleuchtete den Kosmos Kutter, beginnend mit seinem Urahn Liborius, der 1790 nach Biberach kam und, groß und stämmig wie er war, im Jahr 1800 einen marodierenden napoleonischen Soldaten mit einer Mistgabel aus seinem Haus getrieben haben soll.

Großvater Gottlob Friedrich Erpff („ich war sein Liebling“) gründete 1912 das Biberacher Filmtheater, Vater Anton kaufte das Lichtspielhaus 1948 von seinem Schwiegervater und errichtete dahinter 1955 das Urania-Kino, gekrönt von einer Sternwarte, die er aus München nach Biberach bringen ließ.

München war für den 1903 im Haus „Kleeblatt“ am Marktplatz in Biberach geborenen Filmemacher zur zweiten Heimat geworden. Ab 1930 arbeitete er als Regisseur und Drehbuchautor in den Filmstudios Geiselgasteig. Einer seiner Filme, „Die weiße Majestät“, erhielt eine Goldmedaille bei den Filmfestspielen in Venedig.

Dass nach dem Filmpionier und Astronomen seit 2007 sogar ein Kleinplanet benannt ist, ist dann doch mehr als nur eine Fußnote im Kutter´schen Kosmos.

Und so bat Adrian Kutter, als ihm Oberbürgermeister Zeidler die Ehrenbürgerwürde verlieh, die Stadt möge doch am Geburtshaus seines Vaters eine Gedenktafel für dieses Multitalent anbringen; die Stadt, so Zeidler, werde diesen Wunsch gerne erfüllen.

Sohn Adrian, der in den Kriegswirren am 21. Februar 1943 in einem Krankenhaus in Tegernsee geboren wurde und kurze Zeit später mit Mutter Else nach Biberach kam, nennt die kleine Stadt an der „unberühmt schleichenden Riß“ unumwunden und stolz seine Heimatstadt, die ihn maßgeblich geprägt habe: in der Zeit im evangelischen Kindergarten am Braithweg, in der Braith-Grundschule und am Wieland-Gymnasium.

Nach siebenjähriger Abwesenheit wegen des BWL-Studiums in Mannheim und des Wehrdienstes bei der Marine kehrte er 1973 wieder zurück und arbeitete seither beharrlich an seinem Lebenswerk: an einem besonderen Kino und den Filmfestspielen. Seine Schwester Floriane und sein kürzlich verstorbener Bruder Claus („der ungekrönte König der Filmtechnik“) seien immer helfend an seiner Seite gestanden, sagte er dankend.

Und im Alter von 65 Jahren habe er tatsächlich sein spätes Glück gefunden: seine Frau Helga Reichert, mit der er seit elf Jahren verheiratet ist und die ihm zwei Kinder geschenkt hat. Und so schloss Adrian Kutter schließlich seinen Kosmos an diesem schönen Abend, der von „Please no Cheese“, der Lehrerband der Bruno-Frey-Musikschule, wunderbar begleitet wurde, nach einer spannenden und kurzweiligen Stunde des Erzählens mit dem beruhigenden Satz: „Ich bin ein glücklicher Mensch.“

Ehrenbürger Adrian Kutter mit Frau Helga Kutter wie er die Ehrenbürgerurkunde in die Höhe hält