31.03.2020

Die Bruno-Frey-Musikschule auf digitalem Weg

Corona zwingt zu Alternativen

Die Bruno-Frey-Musikschule ist, so wie die meisten Musikschulen in ganz Deutschland, aufgrund der Schließung wegen der Corona-Krise auf digitalem Weg.  Neuland ist das nicht unbedingt, denn Musikunterricht via Skype oder Youtube-Tutorials gibt es schon lange Zeit. Zwar ist der persönliche Kontakt zum Lehrer nicht zu ersetzen. Die jetzigen Zeiten lassen jedoch genau diesen persönlichen Kontakt nicht mehr zu und so halten die Lehrkräfte den Kontakt zu ihren Schülern mit elektronischen Mitteln aufrecht.

Michael Nover mit Schüler

Hinter den geschlossenen Türen der Schule und von zu Hause aus wird intensiv gearbeitet, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Michael Nover, daheim in Ingerkingen, experimentiert mit den verschiedenen Kommunikationsplattformen wie Skype, Facetime oder Google Duo. Sein erwachsener Schüler Herbert Köppen steht zu Hause im Wohnzimmer und tauscht sich mit Michael Nover von Bildschirm zu Bildschirm aus. Doch sind all diese Plattformen vor allem für Sprachanwendungen konzipiert worden. Musikinstrumente haben einen viel höheren Schalldruck und der gute Ton gehört vor allem zur Musik dazu.

Deshalb probiert Michael Bischof - von Illertissen aus - mit einigen Schülern Headset und Boxen im Unterricht aus, um die Tonqualität zu verbessern und kostengünstige Lösungen für Lehrer und Schüler herzustellen. 

Neue Unterrichtskonzepte hat auch Adelheid Boneberg-Mayer für ihren Klavierunterricht im Blick: Notenrätsel werden erstellt, gescannt und neue Noten mit Fingersatz versehen und per E-Mail verschickt. Literaturvorschlagslisten und Übungsanweisungen werden schriftlich erstellt und versendet.

Klaus Pfalzer animiert seine Violinschüler zudem mit Informationen über kostenfreie Musik-Apps für ihr Handy oder die derzeit kostenfrei nutzbare „digitalconcerthall“ der Berliner Philharmoniker. Links zu Video-Tutorials werden schnell mittels Messenger geteilt; nahezu jeder Schüler hat sein Smartphone und kann damit lernen.

Insgesamt arbeiten alle Musikschul-Lehrer ganz anders als gewohnt und betreuen ihre Schüler derzeit weiter, was von diesen in ihrer häuslichen Isolation gern angenommen wird. Und es fallen für die Eltern der Jüngeren die „Fahrdienste“ zur Schule weg, so dass sie sich ungestört ihrem „Homeoffice“ zuwenden können.

Schwierig wird es im digitalen Bereich mit den Gruppenunterrichten sowie Orchester- und Ensemble-Angeboten. Da gibt es zwar vor allem im Bandbereich schon Plattformen; diese sind aber sehr komplex, kompliziert und vor allem auch kostenpflichtig.

 

Nach den Osterferien läuft hoffentlich alles wieder etwas normaler (der entfallene Unterricht wird größtenteils nachgeholt). Wenn nicht, wird die Musikschule nach dieser jetzigen unverbindlichen Testphase ihren Unterricht nach den Ferien auch verbindlich digital anbieten. Zu den genaueren Rahmenbedingungen macht sich Musikdirektor Andreas Winter im Austausch mit Kollegen und Verbänden intensiv Gedanken. Der Ausbau von WLAN an der Musikschule war ohnehin geplant. Die datenschutzrechtlichen Vorgaben müssen bedacht und Fragen geklärt werden wie: Welche Systeme werden genutzt, wie wird Unterricht dokumentiert, wer haftet bei Netzausfall und was kann als Gebühr dafür verlangt werden?

 

Schüler- und Lehrerstimmen zum Angebot

 

Herbert Köppen, Schüler Saxophon: Ich bin überrascht, wie gut der Online-Unterricht funktioniert. Auch wenn Skype natürlich kein vollwertiger Ersatz für den Unterricht in der Musikschule ist, können Lehrer wie Schüler über diesen Weg dennoch sehr gut den Lernfortschritt bewerten“.

Michael Nover, Lehrer für Saxophon: „Die digitale Betreuung der Schüler über Skype hält nicht nur den Kontakt aufrecht, sondern bietet auch neuartige Möglichkeiten. So kann ich sogar schneller als vor Ort spezielle Übe-Noten an die Schüler verteilen.

Michael Bischof, Lehrer für Trompete: „Man lernt bekannte Schüler von einer anderen Seite kennen. Und sie werden auch zu einer größeren Selbstständigkeit angehalten“.

Klaus Pfalzer, Lehrer für Violine: „Über die Hälfte meiner Schüler nutzt diese Medien und nimmt das Angebot dankend an. So lerne ich für mich in dieser Krise sogar noch ganz neue Seiten des Unterrichtens kennen“.

Theresia Morath, Schülerin Violine: „Der Unterricht über Skype hat viel besser funktioniert als ich zunächst erwartet hatte. Man konnte gut miteinander kommunizieren“.

Leon Winkler, Schüler Saxophon: „Der Skype-Unterricht ist eine gute Alternative für die Zeit, in der kein persönlicher Unterricht möglich ist. Es ist schön, dass die Lehrer digitale Möglichkeiten finden, um Tipps geben zu können“.

Michael Bischof vor dem Notebook beim Skypen