29.07.2020

Zwei Busbahnhöfe, ein neues Parkhaus

Eine der zentralen städtebaulichen und verkehrsplanerischen Maßnahmen wird in den nächsten Jahren die Neustrukturierung des Bahnhofsareals zu einem Verkehrsknotenpunkt, der alle Verkehrsarten möglichst gleichrangig berücksichtigen und sie vor allem auch funktionell verknüpfen soll. Dem Städtebaulichen Rahmenplan, der dafür die Grundlagen schafft, hat der Gemeinderat nach intensiver Beratung im Bauausschuss jetzt zugestimmt.
In diesem Bereich des Bahnhofareals, entlang der Vollmerstraße, soll ein neuer Bahnhof für Regionalbusse gebaut werden.

Das Bahnhofsumfeld einschließlich des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) weise städtebauliche und funktionale Mängel auf, erklärte Roman Adler, der Leiter des Stadtplanungsamtes, in der Sitzung des Bauausschusses. Deshalb solle es auf der West- und Ostseite (also diesseits und jenseits der Gleise) neu geordnet werden.

Am 11. April 2019 entschied sich der Gemeinderat für einen neuen, zweigeteilten ZOB. Der Stadtlinienverkehr bleibt danach am bisherigen Ort und für den Regionalverkehr wird nördlich des Bahnhofsgebäudes (Adolf-Pirrung-Straße, auf Höhe der EnBW) neu gebaut.

Das Biberacher Bahnhofsumfeld wolle man zu einer Mobilitätsdrehscheibe entwickeln, die die verschiedenen Verkehrsarten untereinander möglichst optimal verknüpfen soll, erklärte Adler weiter. Der bestehende ZOB werde dabei für Stadt- und Regionalbus entflochten.

Park- sowie Hol- und Bringstellplätze würden auf beiden Seiten der Gleise ausreichend zur Verfügung gestellt. Fahrradabstellmöglichkeiten würden verbessert und ausgebaut, Taxi und alternative Teilnutzungsmöglichkeiten von Fahrzeugen sowie E-Ladestationen sollen angeboten werden. Damit schaffe man die Voraussetzungen für eine multimodale Mobilität.

„Mobilitäts-Hub“

Zur Entwicklung diese sogenannten Mobilitäts-Hubs (im Englischen bedeutet „hub“ Knoten, Zentrum) gehören zusätzliche Servicefunktionen, sagte Baubürgermeister Christian Kuhlmann, die in der Regel in einer Mobilitätszentrale zusammengefasst, aber auch als Bausteine entwickelt werden könnten. Damit werde das Gesamtangebot vervollständigt und die Nutzung attraktiv.

Zu diesen Servicefunktionen gehören: Mobilitätsberatung, Fahrplanauskunft, Fahrkartenverkauf von DB und DING, Bahnhofsmission, Gepäckaufbewahrung, WC-Anlagen, ein wettergeschützter Wartebereich, Gastronomie, Kiosk, Fahrradüberwachung, Fahrradausgabe/- annahme, Fahrradreparatur.

Das bestehende Bahnhofsgebäude und das vorgesehene Parkhaus an der Freiburger Straße böten hervorragende Möglichkeiten, entsprechende Serviceangebote zu etablieren.

Auf Basis des beschlossenen städtebaulichen Rahmenplans sollen jetzt die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn fortgeführt und drei Hauptbereiche getrennt voneinander weiterentwickelt werden. Höchste Dringlichkeit hat dabei der neue Baustein „ZOB Regional und Bahnhofsvorplatz“, der nach seiner Fertigstellung zu einer starken Entlastung des heutigen ZOBs führe, sagte Kuhlmann. Parallel sei die Entwicklung im Bereich Freiburger Straße mit dem neuen Parkhaus und den darin integrierten Mobilitätsangeboten anzustoßen, hierzu der Bebauungsplan „Freiburger Straße Süd“ im Verfahren weiterzuführen und der notwendige Grunderwerb zu regeln.

Eine Entscheidung über die Umgestaltung des ZOBSüd (den Stadtlinienverkehr) werde aktuell zurückgestellt. Die Einrichtung könne noch bis zu zehn Jahre genutzt werden, was eine Überprüfung der Bausubstanz ergeben habe.

Zum FDP-Antrag sagte Kuhlmann, eine belastbare Kostendarstellung, wie von der FDP-Fraktion beantragt, sei beim aktuellen Planungsstand aufgrund der Komplexität nicht sinnvoll und werde deshalb nicht vorgelegt. Andere, beispielhafte ZOBs zu besichtigen, begrüße die Verwaltung. Anregungen nehme man gerne an.

„Ein großer Wurf“

„Neun Seiten städtebaulicher Rahmenplan und keine Kosten“, kritisierte Christoph Funk. Seine Fraktion werde sich gegen den Beschluss stellen, weil man zuwarten solle, bis der Grunderwerb von der Bahn sichergestellt sei.

Die SPD stimme der Vorlage gerne zu, sagte Lutz Keil. Hier gehe es nicht nur um ein Verkehrskonzept, sondern auch um Wirtschaftsförderung. Dienstleistungen im Bahnhofsumfeld seien wichtig, mit den neuen, im Rahmenplan als Stadtbausteine bezeichneten Bauflächen, könne man Firmen attraktive, stadtnahe Büros bieten und auch das Parkhaus sei eine gute Idee. Über den im Plan dargestellten Fahrradweg äußerte er sich noch skeptisch, ob das so klappt.

Friedrich Kolesch (CDU) zeigte sich begeistert von der Vorlage. „Das ist ein großer Wurf, der die Stadt nach vorne bringt“, sagte er. Die Verkehrsdrehscheibe Bahnhof werde Stück für Stück Wirklichkeit. Im Mittelpunkt der Planung müsse allerdings immer die Funktionalität stehen, merkte er an. „Ein Busbahnhof muss funktionieren.“ Für Fahrräder müsse man genügend kostenlose Abstellplätze schaffen und während der Bauzeit müsse man immer genügend P+R-Parkplätze zur Verfügung stellen, darauf sei zu achten, bat er. Das Parkhaus sei wichtig, Platzierung und Erschließung seien top. Jetzt gelte es, zügig zu bauen. „Diese Verkehrsdrehscheibe wird uns viel kosten, aber das ist es uns von der CDU wert.“

Silvia Sonntag (Grüne) beobachtet in der momentanen Rahmenplanung noch einen Schwerpunkt beim Auto, und die Führung des Radweges am Bahnhofsgebäude erscheint ihr nicht optimal gelöst. Auf dem Vorplatz werde es künftig eng zugehen, die Mobilitätsarten konkurrierten dort am Platz. Für sie ist der Radfahrer hier noch etwas im Hintertreffen.

Flavia Gutermann (Freie Wähler) findet das Konzept insgesamt gelungen. Sie ist gespannt, ob sich Fußgänger und Radfahrer auf dem Vorplatz tatsächlich vertragen oder sich eher in die Quere kommen. Andere Bahnhöfe zu besichtigen, findet sie eine gute Idee. Und auch, dass der ZOB Süd zunächst so bleibt wie er ist, begrüßen die Freien Wähler.

Radverkehrsführung im Bahnhofsumfelds sei schwierig, antwortete Christian Kuhlmann, hier optimal zu planen sei die Quadratur des Kreises. „Der Radfahrer muss hier Rücksicht nehmen“, meint er.