30.06.2020

Zum 100. Geburtstag von Bruno-Frey

Der 2005 verstorbene Unternehmer und Mäzen Bruno Frey hätte am 30. Juni 2020 seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Um den 100. Geburtstag Bruno Freys zu feiern, planten Stiftung und Musik- 100 Jahre Bruno Frey schule für den Sommer mehrere Konzerte in Biberach und Umgebung, bei denen international bekannte Musiker auftreten sollten.

Aufgrund der Corona- Pandemie mussten diese Veranstaltungen leider abgesagt werden. Ganz verzichten müssen Musikliebhabende aber doch nicht: Am Dienstag, 30. Juni, hat die Musikschule ein Geburtstagskonzert gegeben, das online auf dem Youtube-Kanal der Stadt Biberach veröffentlicht ist.

Beim Empfang zum 100. Geburtstag (v.l.): Jörg Hochhausen (Vorstandsvorsitzender Bruno-Frey-Stiftung), Oberbürgermeister Norbert Zeidler, Claus-Wilhelm Hoffmann (Oberbürgermeister a.D.), Wolfgang Kempfle (Geschäftsführer Bruno-Frey-Stiftung).

 

Der Unternehmer

Egon Lanz, ehemaliger Chefarzt für Anästhesiologie am Krankenhaus des Landkreises Biberach, Mitglied des Kreistages und von 2005 bis 2012 im Vorstand der Bruno-Frey-Stiftung, würdigt den Unternehmer Bruno-Frey.

Wer sich für den großzügigen Stifter Bruno Frey interessiert, stellt unwillkürlich die Frage: Wie hat der Mäzen während eines halben Jahrhunderts das beachtliche Vermögen erworben, aus dem die Stiftung stattliche Erlöse in seinem Sinne weitergeben kann?

Nach dem Abitur 1938 hatte Bruno Frey den Reichsarbeitsdienst abzuleisten; es folgten Wehrdienst und dann Kriegsdienst in Frankreich und im Osten mit Verwundung, Gefangenschaft und erfolgreicher Flucht. Sieben kostbare Jahre waren verloren.

1945 nahm Bruno Frey sein Jurastudium an der Universität Freiburg auf, das er mit dem Ersten Staatsexamen abschloss. Anschließend arbeitete er an der Staatsanwaltschaft und am Landgericht Lübeck als Rechtsreferendar. Im Auftrag des Justizministeriums Hessen übernahm er den Verkauf einer ehemaligen Rüstungsfirma in Wüstwillenroth/ Hessen im heutigen Main-Kinzig-Kreis, worauf er 1954 die dortige Maschinenfabrik gründete. Damit konnte er seine lang gehegte Absicht verwirklichen, eine Fabrik zu besitzen und zu leiten, als Chef zu bestimmen, Neuheiten zu entwickeln, Verantwortung zu tragen, unabhängig zu sein, Risiken einzugehen.

Mit seinen Mitarbeitern entwickelte er Maschinen zur Filz- und Hutherstellung. Auf Messen war er äußerst erfolgreich. So lieferte seine Firma in den 60er-Jahren die weltgrößte Maschine zur Filzherstellung nach China. Bald wurden auf seine Initiative hin auch Stanz-, Press-, Verpackungs- und Schleifmaschinen hergestellt. Lohnarbeiten für Drehen, Bohren, Fräsen und Hobeln von Metallteilen erweiterten das unternehmerische Profil. Zu besten Zeiten beschäftigte die Firma etwa 100 Mitarbeiter.

Außerdem gründete Bruno Frey 1974 zusammen mit zwei Kollegen eine Firma zur Herstellung von automatischen Schweißrobotern für den Autobau. Als Mitinhaber beteiligte sich Bruno Frey an weiteren Firmen, saß in ihren Aufsichtsräten und hatte zeitweise den Vorsitz inne.

Intensiv engagierte er sich an der Börse. Auf diesem Gebiet war er ein „echter Fuchs“. In seinem Betrieb war der strenge und gerechte Chef sehr beliebt und hoch geachtet. Er entschied alles, manchmal sehr spontan und ohne große Diskussion. Seine Mitarbeiter sprach er mit Namen an und drückte so seine Wertschätzung aus. Täglich machte er einen Rundgang durch die Firma. Eine gute Arbeitsatmosphäre war ihm wichtig. Er kümmerte sich um menschliche und familiäre Probleme der Mitarbeiter und war bei Schwierigkeiten sehr hilfsbereit. Auszubildende, oft aus zweiter Generation, wurden häufig übernommen. Schon vor 1971 organisierte er großzügig Betriebsausflüge für die Mitarbeiter/ innen und ihre Ehepartner.

Bruno Frey war ein „Gentleman alter Schule“. So stand er stets zur morgendlichen Begrüßung seiner Sekretärin vom Sessel auf. Sein Büro war spartanisch ausgestattet. Gegenüber der Öffentlichkeit, insbesondere gegenüber der Presse, war er verschlossen und zurückhaltend. Mit sich selbst war er genügsam und sparsam. In Wüstwillenroth lebte er im ersten Stock eines eher bescheidenen, unauffälligen Zweifamilienhauses nahe der Firma. Er war zufrieden mit einfacher, am liebsten schwäbischer Kost, fuhr meist in der zweiten Klasse der Bundesbahn.

Gelegentlich aber richtete er auch generöse Einladungen aus, zum Beispiel zu den Musikpreisverleihungen in Ochsenhausen oder zu Geburtstagen. Am Schützenfest hielt er „Schützenbatzen“ von 50-DM-Scheinen in seiner Jackentasche bereit, die er an Kinder verschenkte. 1985, mit 65 Jahren, zog es ihn zurück in seine Heimatstadt Biberach. Trotzdem arbeitete Bruno Frey bis zu seinen letzten Lebensjahren weiterhin unter der Woche in Wüstwillenroth. Der Belegschaft fiel kaum auf, dass Bruno Frey seinen Wohnsitz verlegt hatte, so oft war er in seiner Firma nach wie vor präsent. Seine Unternehmen waren sein Lebenselixier. Sie sind auch die Quellen, aus denen heute die Wohltaten der Stiftung sprudeln.

Der Biberacher

Norbert Zeidler, Oberbürgermeister der Stadt Biberach, sprach über Bruno-Frey als bedeutenden Biberacher Bürger.

Ich möchte meinen Gedanken zu Bruno Frey als bedeutendem Biberacher Bürger eine Feststellung voranstellen, die mir wichtig erscheint, sagt sie doch schon viel aus über die Leistung dieses großen Sohnes unserer Stadt: Ich habe – anders als meine beiden Vorgänger Thomas Fettback und Claus-Wilhelm Hoffmann – Bruno Frey nie persönlich kennengelernt.

Warum erscheint es mir wichtig, darauf hinzuweisen? Die Antwort führt bereits mitten ins Thema. Denn: Alles, was ich zu Bruno Frey, seinem Leben und Wirken, zu sagen weiß, bezieht sich letztlich auf das „Nach-Leben“ und „Nach-Wirken“ dieses Ehrenbürgers unserer Stadt. Zudem „kenne“ ich ihn aus den Erzählungen und Berichten, aber auch durch eine intensive Beschäftigung mit seinem Leben und Lebenswerk.

Obwohl sieben Jahre vor meiner engeren Bekanntschaft mit Biberach verstorben, erscheint mir Bruno Frey dabei außerordentlich präsent in Biberach. Der Grund hierfür ist meines Erachtens schnell gefunden: Bruno Frey hat ein in jeder Hinsicht nachhaltiges Leben geführt und dabei seine Heimatstadt Biberach und ihre Bürgerinnen und Bürger auf eine Art und Weise bedacht, die noch weit über seinen Tod hinausstrahlt.

Beispiele für das großartige Erbe, das er uns hinterlassen hat, gibt es viele, zwei seien herausgegriffen: Der Neubau der Musikschule, der mit einer immensen Summe von ihm unterstützt wurde, sowie die Bruno-Frey-Stiftung für kulturelle und soziale Zwecke, die unter anderem Projekte im Bereich der musischen und kulturellen Bildung von Kindern und Jugendlichen fördert, sowie die Unterstützung sozial schwächerer Mitbürgerinnen und Mitbürger im Blick hat.

Bruno Frey war seiner Heimatstadt Biberach zeitlebens sehr verbunden. Auch als er nicht mehr in Biberach wohnte, gehörte der jährliche Besuch an „Schützen“ zu seinem Standardprogramm. Für mich ein großartiges Beispiel dafür, wie diese Stadt und ihr einmaliger Charakter Menschen für ein ganzes Leben prägt und formt.

Bruno Frey hat das zum Anlass genommen, seine Möglichkeiten dafür zu nutzen, dass Biberach auch zukünftig für viele Menschen ein identitätsstiftender Ort und ein guter Startpunkt für ein gelingendes, nachhaltiges Leben ist. Dafür gebührt ihm unser aller Dank – den wir ganz besonders anlässlich seines 100. Geburtstages zum Ausdruck bringen wollen.

Der Gönner

Philipp Mohrschulz, Rechtsanwalt; stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Bruno-Frey-Stiftung für kulturelle und soziale Zwecke zu Biberach, hob die Bedeutung von Bruno-Frey als Freund und Gönner der Stadt Biberach hervor.

Wir feiern den 100. Geburtstag eines Ehrenbürgers, um dessen Leben und Wirken sich eine beachtliche Zahl von Anekdoten rankt, der aber über all seinem Erfolg nie seine Herkunft vergaß und ebenso nie den Bezug zu den Bürgern seiner Heimat verlor.

Wie sehr Bruno Frey ein Freund und Gönner der Stadt Biberach und vor allem der Biberacher war, ist mir erst nach seinem Tode, beim Aufbau der Stiftung, an der ich seit dem allerersten Tag mitwirken durfte, klar geworden.

Die mit ihm zu Lebzeiten geführten Gespräche, die Niederschrift seines letzten Willens, ergaben wenig Anhaltspunkte, in welcher Dimension hier zu denken sein würde; Bruno Frey verlor über sich und sein Wirken zumeist wenig Worte.

An einem der Gebäude am Marktplatz, die er sanieren und zu einem Schmuckstück im Stadtbild werden ließ, findet sich der Hinweis auf „einen Biberacher Bürger“; „ein Biberacher Bürger“ war auch Eigentümer des „Dinglinger-Körbchens“, für einiges Geld ersteigert und dem Biberacher Museum und damit den Biberachern als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Höchst großzügig indes prägt Bruno Freys Nachlass, die von ihm letztwillig verfügte „Bruno-Frey-Stiftung für kulturelle und soziale Zwecke“, seit ihrer Gründung 2006 das Bild in und um Biberach.

Ausgestattet mit dem allergrößten Teil des Frey’schen Millionenvermögens, erwirtschaftet die Stiftung Jahr für Jahr sechsstellige Summen und investiert sie in eben kulturelle und soziale Zwecke verschiedenster Art, sei es die Vergabe von Förderstipendien an der Hochschule, die Ausstattung des renommierten, in Ochsenhausen verliehenen Bruno-Frey-Musikpreises oder des neu geschaffenen Bruno-Frey-Filmpreises, aber auch die Unterstützung der Wohnungslosenhilfe Biberach und anderer sozialer Projekte.

Oftmals stellen wir uns die Frage, was wohl Bruno Frey zu dem einen oder anderen Förderantrag sagen würde; der Maßstab ist Großzügigkeit, aber auch ein genauer Blick auf den von Bruno Frey selbst festgelegten Zweck bzw. Aufgabenbereich der Stiftung.

Als Stiftung sind wir angetreten, das Erbe Bruno Freys fortzuführen. Eine Stiftung kennt grundsätzlich keine Befristung, und so sind wir bester Dinge, das Andenken dieses Ehrenbürgers der Stadt Biberach auch in vielen Jahrzehnten noch ehren und dessen Wirken in und um Biberach in bester und großzügiger Tradition fortsetzen zu können.

Am 30. Juni wurde der 100. Geburtstag von Bruno-Frey mit einem Empfang gefeiert.

Beim Empfang zum 100. Geburtstag (v.l.): Jörg Hochhausen (Vorstandsvorsitzender Bruno-Frey-Stiftung), Oberbürgermeister Norbert Zeidler, Claus-Wilhelm Hoffmann (Oberbürgermeister a.D.), Wolfgang Kempfle (Geschäftsführer Bruno-Frey-Stiftung).