03.02.2021

Stadt Biberach hat einen Feuerwehrbedarfsplan

440 Mal im Jahr wird die Biberacher Feuerwehr im Durchschnitt zu Einsätzen gerufen. Dass dann alles wie am Schnürchen läuft, scheint für die Bevölkerung als selbstverständlich zu gelten. Damit das so bleibt, hat die Stadt erstmals eine externe Beraterfirma engagiert, die die Leistungsfähigkeit der freiwilligen Feuerwehr grundlegend analysiert und bewertet hat. Das Ergebnis: Die Biberacher Feuerwehr hat einen hohen Leistungsstand und wird im Vergleich viel gefordert.
Die Biberacher Feuerwehr genießt eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung - nicht nur im Ernstfall.

Das 136 Seiten starke Papier, das Robert Kroha von der Sicherheitsberatungsfirma Luelf & Rinke im Hauptausschuss vorgestellt hat, wird für Verwaltung, politische Gremien und für die Feuerwehr eine zukunftsfähige Basis für dezidierte Einzelentscheidungen darstellen. Die Laufzeit dieses Feuerwehrbedarfsplans beträgt in etwa fünf Jahre. Er ist in den Ortschaftsräten und im Hauptausschuss vorberaten und vom Gemeinderat am Montag verabschiedet worden. Oberbürgermeister Norbert Zeidler nannte den Plan „ein tolles Kompendium der Arbeit unserer Feuerwehr, das die Stärken und Schwächen genau analysiert“.

Die Firma Luelf & Rinke Sicherheitsberatung GmbH wurde im März 2019 von der Stadtverwaltung beauftragt, einen Feuerwehrbedarfsplan zu erstellen. Betrachtet wurden das örtliche Gefahrenrisiko der Stadt und seiner Stadt- und Ortsteile sowie die Eintreffzeiten nach der Alarmierung in einem Betrachtungszeitraum von Mai 2019 bis April 2020.

Parallel dazu wurden die vier Feuerwehrhäuser (Standorte Biberach, Mettenberg, Ringschnait und Stafflangen) auf die bauliche Funktionalität und den Unfallschutz hin untersucht und die Fahrzeug- und Geräteausstattung geprüft. Ebenso wurden die personelle Ausstattung sowie die Organisation des Brand- und Bevölkerungsschutzes betrachtet. Es fanden dazu zahlreiche Gespräche zwischen der Stadtverwaltung, der Kreisbrandmeisterin, dem Feuerwehrkommandanten, seinem Stellvertreter und den Führungskräften der Feuerwehr statt.

Biberach hat im interkommunalen Vergleich ein hohes Einsatzaufkommen und Besonderheiten in Bezug auf die Anzahl der Brandmeldeanlagen (111 Stück) sowie Sonderbauten wie Tiefgaragen, Hochhäuser und Versammlungsstätten vorzuweisen. Auch die Funktion als zentrale Stützpunktfeuerwehr für den Löschbezirk Biberach und die Aufgabenstellung im Fachbereich atomare, biologische und chemische Gefahrenabwehr erfordern ein hohes Maß an Leistungsfähigkeit und Können und einen breiten Ausbildungsstand.

In zehn Minuten am Einsatzort

Konkretes Ziel ist, dass die Feuerwehr beim Standardbrand innerhalb von zehn Minuten nach der Alarmierung mit neun Mann am Einsatzort ist. Die Tagverfügbarkeit der Einsatzkräfte im Zeitbereich Montag bis Freitag in den Einsatzabteilungen soll die gutachterlichen Sollstärken erreichen. Mit 70 von 121 verfügbaren Kräften tagsüber in der Kernstadt sei Biberach sehr gut aufgestellt, sagte Robert Kroha.

Die Einzelanalyse von schutzzielrelevanten Einsätzen aus dem Jahr 2019/2020 zeigt, dass die Feuerwehr zu großen Teilen zuverlässig die Einsatzstellen innerhalb der geforderten Fristen und mit hinreichender Personalstärke erreicht. Die Stadt- und Ortsteile Stafflangen, Rindenmoos/Rißegg, Mettenberg und Ringschnait sind von Biberach aus jedoch nur schwer oder gar nicht innerhalb der vorgegebenen Zeiten erreichbar. Daher muss die bestehende Standortstruktur in den Ortschaften erhalten bleiben. Zudem müssen zum Teil Lösungen zur zukünftigen Verbesserung der Eintreffsituation erarbeitet werden. Gerade für den wachsenden Ortsteil Rißegg/ Rindenmoos gilt es, verschiedene Möglichkeiten zu prüfen, da dort keine Einsatzabteilung vorhanden ist.

In den einzelnen Feuerwehrhäusern wurde teilweise baulicher bzw. struktureller Handlungsbedarf festgestellt. Dabei hat das Feuerwehrhaus in Ringschnait Priorität. Bei der Fahrzeugausstattung muss kurz- bis mittelfristig mit Ersatzbeschaffungen oder konzeptionellen Änderungen gerechnet werden. Der bestehende Kreisfeuerlöschverband übernimmt die Finanzierung des Fuhrparkes der Abteilung Biberach, davon ausgenommen sind grundsätzlich Kleineinsatzfahrzeuge wie ein Mannschaftstransportwagen oder ein Mehrzweckfahrzeug. Für die Finanzierung des Fuhrparks der Einsatzabteilungen der Teilorte ist die Stadt Biberach zuständig.

Im Gesamten weist der Feuerwehrbedarfsplan keine Erweiterung des Fuhrparks der Einsatzabteilung Biberach aus. Nur für die Einsatzabteilungen Mettenberg, Ringschnait und Stafflangen ist ergänzend jeweils ein Mannschaftstransportwagen vorgesehen.

Im Ergebnis ist die Feuerwehr Biberach personell gut aufgestellt. Die Organisation der Feuerwehr basiert auf der Freiwilligkeit der rund 200 aktiven Mitglieder. Es herrscht ein sehr aktives Kameradschaftsleben und der Zusammenhalt aller Einsatzabteilungen ist sehr groß. Lediglich bei der Tagverfügbarkeit in den Einsatzabteilungen Mettenberg, Ringschnait und Stafflangen und der Erreichbarkeit von Führungskräften sind Defizite festzustellen. Daher sollte ständig für neue ehrenamtliche Feuerwehrmitglieder geworben werden. Momentan hat die Feuerwehr 2,4 Stellen. Um alle unterstützenden Aufgaben erfüllen zu können bzw. zukunftsfähig aufgestellt zu sein, sieht das Gutachten weitere 2,5 Stellen vor.

Hohe Akzeptanz

Welch hohe Akzeptanz die Feuerwehr im Biberacher Gemeinderat hat, verdeutlichte einmal mehr die Diskussion des Bedarfsplans. Hans Beck (CDU) sprach im Prinzip all das aus, was die anderen Fraktionen (Margarete Hauschild für die Grünen, Philipp Edrich für die SPD, Stefanie Etzinger für die FW und Christoph Funk für die FDP) im Nachhinein bekräftigten: Sicherheit koste Geld, aber die Sicherheit der Bürger sei der Stadt auch Geld wert.

Der Feuerwehrbedarfsplan sei eine wichtige Grundlage für die Fortentwicklung der Wehr, ein Rahmenkonzept, innerhalb dessen jede Einzelmaßnahme geplant, diskutiert und entschieden werden müsse. Das sei zwar kein Freibrief für die Zukunft, aber gleichzeitig dürfe man die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr nicht infrage stellen. Bei den nötigen Personalstellen müsse man mit Augenmaß vorgehen. Bei der Ersatzbeschaffung von Fahrzeugen des Kreisfeuerlöschverbandes sei immer eine Diskussion nötig.

Schließlich fragte Hans Beck, ob man sich denn in Biberach auf eine Berufsfeuerwehr zu bewege? Er und die anderen Fraktionssprecherinnen und -sprecher dankten den vielen ehrenamtlichen Feuerwehrleuten für ihren unermüdlichen Einsatz und auch den Arbeitgebern in Biberach, die diese Personen im Ernstfall von der Arbeit freistellten.

Ringschnait hat Priorität

„Wir fühlen uns sicher trotz der kritischen Eintreffzeiten“, sagte Tom Abele, Ortsvorsteher von Rißegg. In Rißegg könnten im Ernstfall auch die Wehren aus Ummendorf und Reute alarmiert werden.

Für Waltraud Jeggle zeigt der Plan, dass es Handlungsbedarf beim Gerätehaus Stafflangen gibt; damit auch Frauen in die Wehr aufgenommen werden können, müssten getrennte Umkleideräume geschaffen werden.

Mettenbergs Ortsvorsteher Wachter bekräftigte, dass das Feuerwehrhaus Mettenberg starkregengefährdet und dass ein weiterer Stellplatz für ein Fahrzeug nötig sei.

Ringschnaits Ortsvorsteher Walter Boscher erklärt sich dankbar für den Plan, weil er die Defizite in Ringschnait untermauere. „Wir haben Handlungsbedarf beim Feuerwehrhaus“, so Boscher.

Zum Thema Berufsfeuerwehr erklärte Oberbürgermeister Zeidler: „Wir haben starke ehrenamtliche Strukturen und die Feuerwehr steht auch dazu.“ Man müsse die Feuerwehrleute aber von dem entlasten, was nicht ihre eigentliche Aufgabe und Arbeit sei: nämlich von der Bürokratie. Was die Anschaffung von Großfahrzeugen betrifft, müsse man mit dem Kreisfeuerlöschverband reden, der hier in der Pflicht sei, sagte Zeidler. „Wir haben hier den zweitältesten Fuhrpark im Landkreis.“