08.06.2022

Spatenstich für den Hochwasserdamm im Wolfental

„Dieser kleine Bach kann so hoch werden, dass er die Altstadt überflutet?“ Die erstaunte Frage eines ungläubigen Gastes beim Spatenstich für den 360 Meter langen und 3,5 Meter hohen Damm, der jetzt endlich im Wolfental gebaut werden soll, um die Biberacher Kernstadt besser gegen Hochwasser zu schützen, ging wohl manch anderem der Gäste an diesem Vormittag auch durch den Kopf. Ja: Ein schleichendes Rinnsal namens Rotbach wird ab und zu tatsächlich zum reißenden, alles überflutenden Fluss. Die Kosten für das Bauwerk betragen 4,65 Millionen Euro, 70 Prozent davon, also 3,25 Millionen Euro, kommen als Zuschuss vom Land. Der Damm soll in einem Jahr fertig sein.

„Die Gefahr, dass die Innenstadt Biberachs vom Hochwasser betroffen wird, hat, nachdem die Riß in den 50er-Jahren begradigt wurde, im Wesentlichen mit dem Rotbachsystem zu tun“, erklärte Baubürgermeister Christian Kuhlmann aus Anlass des Spatenstichs.

Der Einzugsbereich des Rotbachs, im Stadtgebiet Wolfentalbach genannt, reiche weit über Mittelbiberach bis nach Stafflangen. In diesem Bereich hätten im Mittelalter zwölf Weiher mit einem Fassungsvermögen von circa 200.000 Kubikmetern gelegen. Diese früher vorhandenen Retentionsflächen seien im Laufe der Jahrhunderte Schritt für Schritt trockengelegt worden.

Aufgrund der Größe des Einzugsbereiches führten Starkregen nun regelmäßig zu Hochwasser, das sich sehr schnell aufbaue und in großen Mengen die Innenstadt und das Wolfental gefährde. Das jetzt zu realisierende Bauwerk habe eine extrem lange Vorgeschichte, sagte Kuhlmann weiter. Bereits in den 90er- Jahren seien erste Untersuchungen angestellt worden, ob diese früher vorhandenen Retentionsräume wieder genutzt werden könnten, um vor Hochwasser zu schützen. Umfangreiche Planungen und Untersuchungen folgten, man habe naturschutzfachliche Untersuchungen und Wirtschaftlichkeitsberechnungen angestellt und mit dem Land verhandelt.

Aus wirtschaftlichen und eigentumsrechtlichen Gründen sei es nicht möglich gewesen, diese Retentionsflächen wieder zu aktivieren, bis auf eine Ausnahme: das Rückhaltebecken im Bereich Stafflangen-Hofen. „Um aber zu einem effektiven Hochwasserschutz für Biberach zu kommen, blieb letztlich nur die Möglichkeit, durch einen Damm quer durch das Wolfental den notwendigen Schutz zu erreichen“, sagte Kuhlmann.

Kaltluftströmung bleibt erhalten

Planungen und ein Planfeststellungsverfahren, Einsprüche und langwierige Grundstücksverhandlungen: All das habe Jahre gedauert, so Kuhlmann. Insgesamt stehe dieses Projekt seit mehr als 25 Jahren auf der Agenda des Baudezernates, jetzt endlich werde mit dem Bau begonnen.

Das Rückhaltebecken mit rund 279.000 Kubikmeter Stauvolumen entsteht in einer natürlichen Tallage durch den Bau eines bis zu 3,5 Meter hohen Hochwasserschutzdammes. Das gesamte Dammbauwerk hat eine Länge von 360 Metern und fünf Meter Kronenbreite. Der Kerndamm wird beidseitig mit teils sehr flachen Erdschüttungen vorgebaut, sodass sich der Hochwasserdamm besser ins Landschaftsbild einpasst und die Kaltluftströmung aus dem Wolfental in die Innenstadt auch zukünftig gewährleistet werden kann.

Im Dammbauwerk befinden sich zwei Auslassbauwerke. Der Abfluss aus dem Hochwasserrückhaltebecken wird über zwei elektrisch gesteuerte Drosselschieber eingestellt. Das zurückgehaltene Hochwasser kann so langsam abgelassen werden.

Auf dem Damm soll ein Fuß- und Radweg laufen, sodass die bestehenden Wegeverbindungen im Wolfental wieder genutzt werden können. Aufgrund der landschaftlich sensiblen Lage des Bauprojektes werden die Bauarbeiten vor Ort durch ein Fachbüro ökologisch begleitet.

Die Projektbeteiligten beim Spatenstich für den neuen Damm im Wolfental: Christian Kuhlmann und Ralf Miller für die Stadt Biberach als Bauherrin, Vertreterinnen und Vertreter aus dem Gemeinderat, vom Landratsamt, der e.wa riss sowie vom Ingenieurbüro RSI Rapp und Schmid Ummendorf und von der ausführenden Baufirma Max Wild aus Berkheim.