05.10.2020

Rainer Etzinger erhält das Bundes­verdienst­kreuz

In Anerkennung seines Engagements um die Biberacher Städtepartnerschaft mit Telawi hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Rainer Etzinger das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Die Auszeichnung überreicht hat am Freitagabend in der Gigelberghalle Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch. Sie nannte den Geehrten „einen echten Macher“, der über viele Jahre fruchtbare ehrenamtliche Arbeit geleistet habe.
Für sein Engagement in der Partnerstadt Telawi erhält Rainer Etzinger das Bundesverdienstkreuz, überreicht durch Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch.

Oberbürgermeister Norbert Zeidler sagte in seiner Begrüßung, Rainer Etzinger habe sich durch sein herausragendes Wirken nicht nur in Biberach, sondern in ganz Deutschland verdient gemacht und sich als wahrer Europäer gezeigt. In Telawi, in Biberachs Partnerstadt, genieße er quasi Kultstatus – „irgendwo zwischen Selig- und Heiligsprechung“. Rainer Etzinger, so Zeidler weiter, sei die Verkörperung zivilgesellschaftlichen Engagements, neben dem allerdings auch seine Frau Ursel, ein „feiner, liebenswürdiger Mensch“, stehe, die großen Anteil am Erfolg ihres Mannes habe.

Rainer Etzinger hat bereits 1994 die Bürgerurkunde der Stadt Biberach erhalten, 2007 die Ehrendoktorwürde der Universität Telawi, 2015 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Telawi und 2015 die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg.

Als Friedlinde Gurr-Hirsch durch die Biografie des Geehrten ging, erfuhren die 70 geladenen Gäste von der Breite seines ehrenamtlichen Schaffens. Rainer Etzinger, am 17. Februar 1947 in Heidenheim geboren, kam zum Schuljahr 1971/1972 als Lehrer an die Sonderschule nach Biberach. Nach Jahren des Unterrichtens an der Pflug-Förderschule wechselte er ins Landratsamt Biberach als Leiter der Kreisbildstelle. Daneben blieb er noch am Berufsschulzentrum Biberach in einer Berufsvorbereitungsklasse für Sonderschüler tätig. Zum 31. Juni 2011 trat er in den Ruhestand.

Bereits im Alter von 14 Jahren begann er sich für die Turnabteilung der TSG Giengen als Kinderturnwart ehrenamtlich zu engagieren. Ab 1974 arbeitete er als stellvertretender Sportkreis-Jugendleiter im Sportkreis Biberach und später als Referent für Freizeitsport im Jugendbereich. Von 1974 an übernahm er mehrere Ämter bei der TG Biberach, 1995 den Vorsitz für 18 erfolgreiche Jahre. Für seine Verdienste wurde er nach 39 Jahren Einsatz im Verein 2013 zum Ehrenmitglied ernannt. Außerdem erhielt er die Ehrennadel des Württembergischen Landessportbunds.

Von 1989 bis 2015 wirkte Rainer Etzinger in der Biberacher Schützendirektion; auch hier wurde er mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt. Beim Verein „Lernen fördern Biberach“ ist er Gründungsmitglied. Der gemeinnützige Trägerverein arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die entwicklungsverzögert oder lernbehindert sind. Von 2004 bis 2016 saß er, bis auf eine kurze Unterbrechung, für die CDU im Gemeinderat. Und beim Amtsgericht Biberach war er fünf Jahre als Schöffe tätig.

„Guter Botschafter der Stadt“

Etwas ganz Besonderes sei sein nationales und internationales Engagement, sagte Friedlinge Gurr-Hirsch. Bereits seit dem Jahr 2000 kümmere er sich um die Städtepartnerschaft zwischen Telawi und Biberach. Rainer Etzinger fördert im Rahmen von internationalen Projekten zum Beispiel den Wissenstransfer zwischen den Berufsschulen in Telawi und Biberach. Durch ihn konnten verstärkt Hospitationen von Lehrkräften aus Telawi in Biberach und Transfers von Ausbildungsplänen und Materialien nach Telawi realisiert werden. Und es stellte in Georgien ein Viehzuchtprogramm auf die Beine, mit dessen Hilfe die dort sehr verbreitete Rinderkrankheit Brucellose eingedämmt werden konnte.

Der Biberacher SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster, der den CDU-Mann Rainer Etzinger für die Ehrung vorgeschlagen hatte, sagte, es gehe hier nicht um Parteidenken, sondern um „unsere Stadt Biberach“. Etzinger sei im positiven Sinn ein „Hans-Dampf in allen Gassen“ und ein Beispiel dafür, „was man erreichen kann, wenn man sich einbringt“ Gerster hob die gewinnende, motivierende Art von Rainer Etzinger hervor und sagte: „Du bist ein guter Botschafter der Stadt.“

Der Geehrte selbst dankte seiner Familie, die viel Verständnis für ihn aufgebracht habe in all den Jahren. Ja, das Ehrenamt ziehe sich wie ein roter Faden durch sein Leben; es sei Herz und Puls einer Gesellschaft. Er habe, was er tat, immer gerne gemacht und sich nie zu etwas zwingen lassen. Und er sei nie Einzelkämpfer gewesen. Nur gemeinsam könne man etwas erreichen. Sein Einsatz für andere habe ihm viele Freundschaften eingebracht. Jetzt werde er für seine Aktivitäten in Telawi geehrt, einer Stadt, die ihm zur zweiten Heimat geworden sei. Die Lebensfreude und Gastfreundschaft der Menschen dort hätten ihn tief beeindruckt. „Unsere Arbeit ist ja auch eine Form der Außenpolitik“, sagte er.