09.12.2020

Neues Konzept für Stadtmarketing vorgelegt

Ein kleiner Freitagsmarkt; Testfamilien, die das Warenangebot in der Stadt beurteilen; eine Stärkung der Onlinekompetenz der Biberacher Einzelhändler: Das sind konkrete Inhalte des neuen Stadtmarketingkonzeptes, das der Hauptausschuss für gut befunden und der Gemeinderat beschlossen hat. Das vorliegende Eckpunktepapier soll stetig fortgeschrieben und der Gemeinderat bei der Umsetzung regelmäßig eingebunden werden.
Die Stadt mit ihren Stärken und Schwächen noch genauer und intensiver in den Blick nehmen will das neue Stadtmarketingkonzept.; © Frank Mosthof

Der Bereich Stadtmarketing ist seit dem 1. Januar 2020 in das Amt für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung integriert, das wiederum dem Dezernat für Wirtschaft und Bildung zugeordnet ist. Durch diesen Zusammenschluss können künftig Synergien genutzt und wirtschaftsrelevante Themen aus einer Hand bedient werden.

Stadtmarketing sei ein dynamischer Prozess, der durch vielerlei Einflüsse geprägt werde, sagte Erster Bürgermeister Ralf Miller bei der Vorstellung des neuen Konzeptes in Hauptausschuss und Gemeinderat. Trends, technischer Fortschritt oder Ereignisse wie die anhaltende Corona-Pandemielage wirken sich auf die Wirtschaft aus und bedeuten nicht selten einen spürbaren Einschnitt in das wirtschaftliche Gefüge einer Innenstadt.

Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie habe der Bereich Stadtmarketing deutlich an Bedeutung gewonnen. Themen wie Leerstandsmanagement, Verbesserung der Onlinepräsenz oder Attraktivierung der Innenstadt seien verstärkt in den Fokus gerückt und hätten ein aktives Stadtmarketing unumgänglich gemacht.

Mit der Neuauflage des Stadtmarketingkonzeptes wolle man nun schnell und zielorientiert auf aktuelle Entwicklungen reagieren. In den nächsten drei Jahren werde eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, die das aktive Geschehen in der Stadt ergänzen und bereichern sollen. Gemeinsam mit lokalen Akteuren wie der Werbegemeinschaft, der biberCard, der Gastronomie und anderen, soll ein lebendiges Projekt entstehen, das die Biberacher Innenstadt in ihrer Einzigartigkeit und Vielfalt erhält und weiterentwickelt.

Bereits im Vorfeld sei das Konzept den Vorständen von Werbegemeinschaft, biberCard und dem Runden Tisch der Gastronomen im Rahmen eines Eckpunktepapiers vorgestellt worden, sagte Miller. Mit der Neuauflage soll Folgendes erreicht werden:

  • Mehr Sichtbarkeit und Wahrnehmung der Stadt;
  • Erhalt und Stärkung von Einzelhandel und Gastronomie;
  • ein Branchenmix bzw. Angebotsvielfalt;
  • eine Reduzierung der Leerstände;
  • eine Frequenzsteigerung in der Innenstadt;
  • noch stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit sowie neue Events und Impulse.

Um eine zukunftsorientierte Angebotsvielfalt mit gleichzeitiger Steigerung der Attraktivität zu erreichen, sei der Erhalt bzw. die Optimierung des Branchenmixes in der Biberacher Innenstadt unerlässlich, so Miller. Dazu brauche es eine qualifizierte zeitnahe Marktanalyse.

Idee von Testfamilien

Ralf Miller nannte einige konkrete Vorschläge, die er gemeinsam mit seinem Team (Irene Emmel und Tanja Volk) erarbeitet hat und die bis 2023 umgesetzt werden sollen. Zum Beispiel die Idee von Biberacher „Testfamilien“ mit unterschiedlichen (Alters-) Strukturen, die während eines festgelegten Zeitraums, beispielsweise zwei Monate, ausschließlich in Biberach konsumieren.

Alle Einkäufe und Anschaffungen, quasi von A wie Auto bis Z wie Zwieback erfolgen bei Biberacher Unternehmen. Dies könne im stationären Handel vor Ort, aber auch online erfolgen. Selbstverständlich erhalten die Familien einen Anreiz und über die Erfahrungen wird dann auch berichtet.

Oder: Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing möchten zusammen mit dem Digitalisierungszentrum „Ulm Alb-Donau Biberach“ die Onlinekompetenzen der Biberacher Einzelhändler stärken. Außerdem will man weiteren Leerständen entgegenwirken, indem man zum Beispiel in leer stehenden Geschäften künstliche Schaufensterkulissen nachstellt, wie in England erfolgreich geschehen, die beispielhaft und in 3D zeigen, welche Geschäfte in einer bestimmten Straße sinnvoll sind.

Was die Märkte betrifft, könnte der Wochenmarkt in den Nachmittag hinein verlängert und ein neuer Markt etabliert werden: „Unser kleiner Freitagsmarkt“. Abweichend zu den bestehenden Markttagen, könnte dieser neue Markt in der Mittagszeit beginnen und bis in den Abend gehen. Er soll keine Konkurrenz für die bestehenden Wochenmarkttage darstellen, sondern vielmehr als ergänzendes Angebot dienen. Vorstellbar sei, Waren anzubieten, die an den anderen Markttagen nicht erhältlich sind. Zum Beispiel: Stände mit veganen Produkten oder internationale Spezialitäten. Entsprechende Imbissstände könnten zur kulinarischen Vielfalt beitragen.

Christoph Funk (FDP) lobte die hervorragende Vorlage. Das, was die Verwaltung selber erledigen könne, müsse jetzt mit Nachdruck auch gemacht werden. Um erfolgreich zu sein, müsse man Wohnen, Dienstleistung, Handel und Gastronomie zusammenbringen.

Auch Johannes Walter (CDU) sprach von einer lang ersehnten, ausgezeichneten Vorlage. Die Ideen zu den Märkten hätten ihm sehr gut gefallen, man müsse aber auch die Eventkultur stärken, was das Konzept ja auch berücksichtige. Für die CDU sei eine wichtige Frage, ob so viel Arbeit nicht eine Personalstelle mehr erfordert. Das sieht auch Peter Schmid (Grüne) so: „Das Einzige, was fehlt, ist eine Stelle mehr; und die sollte man so bald wie möglich schaffen.“

Die neue Konzeption gehe weit über das hinaus, was man gewöhnlich unter Stadtmarketing verstehe, lobte Ulrich Heinkele (Freie Wähler). Die Idee des kleinen Freitagmarktes findet er „richtig gut“.

Lob kam auch von der SPD, allerdings erschließt sich Rudolf Metzger die Idee der Testfamilie „nicht so richtig“. Er würde stattdessen die Leute direkt befragen, warum sie bevorzugt in Ravensburg und Ulm einkauften und nicht in Biberach. Beim kleinen Freitagsmarkt müsse man sich unbedingt mit der Gastronomie absprechen wegen möglicher Konkurrenz. Zur Steigerung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt gehört für die SPD wesentlich, dass insgesamt mehr Außengastronomie möglich wird.

Für Ralf Heidenreich (Die Linke) ist der Schlüssel für einen erfolgreichen Biberacher Einzelhandel die digitale Fortbildung. Nur derjenige Händler, der zusätzlich ein Internetangebot hat, wird bleiben, ist er überzeugt.