31.01.2020

Erster Bürgermeister Ralf Miller seit einem Jahr im Amt

Am 1. Februar ist Ralf Miller ein Jahr im Amt des Ersten Bürgermeisters der Stadt Biberach, dem das Dezernat Wirtschaft und Bildung unterstellt ist. Auch das Amt des Hospitalverwalters gehört zu seinen Aufgaben und er ist Chef der Stadtwerke Biberach, um nur die wichtigsten Bereiche zu nennen.
Erster Bürgermeister Ralf Miller

Herr Miller, der Erste Bürgermeister der Stadt Biberach ist, salopp gesagt, der Hans-Dampf in allen Gassen. Sehen Sie das auch so?

Vielleicht nicht in allen Gassen, aber meine Aufgaben sind tatsächlich breit gestreut und die Tage gut gefüllt. Es sind viele verschiedene und interessante Themenbereiche, in denen die Mitarbeiter und ich unterwegs sind. Wir gehen Herausforderungen zügig an und haben schon einiges bewegt.

Herausforderung Nummer eins für Sie sind die Themen Digitalisierung und ITZPlus. Wo sehen Sie hier den „Mehrwert“ für die Stadt?

Digitalisierung ist ein großes Wort, das aber alle Lebensbereiche berührt. Wir wollen beispielsweise dezernatübergreifend mehr Verwaltungsdienstleistungen digitalisieren, was den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen und manches vereinfachen soll.

In unserem Schulamt sollen in der frühkindlichen und schulischen Bildung verstärkt digitale Lehrmittel eingesetzt und Lerninhalte so auf andere Weise vermittelt werden. Kindern und Schülern wird so ein reflektierter Umgang mit den Chancen und Risiken der digitalen Welt ermöglicht.

Diese Gedanken fließen gerade in eine „Digitalisierungsstrategie“, die die Besonderheiten der einzelnen Schularten berücksichtigt.

Mit dem Innovations- und Technologietransferzentrum wollen wir den Wirtschaftsstandort weiter stärken, in dem Forschung, Hochschule und Unternehmen eine zusätzliche gemeinsame Plattform finden sollen und wir auch für Gründer, sogenannte Start-ups, eine Möglichkeit haben, in einem Zentrum mit vielfältigen Unterstützungen einen Ort für innovative Ideen zu kreieren.

Herausforderung Nummer zwei ist der Bereich Pflege, die zum Kerngeschäft des Hospitals zum Heiligen Geist gehört. Wie weit sind Sie da in diesem ersten Jahr gekommen?

Wir haben im Hospitalrat eine klare Vorstellung entwickelt, wie es mit den Pflegeangeboten des Hospitals und des Bürgerheims weitergehen soll.

Der Trend zur ambulanten Versorgung macht auch vor der Pflege nicht halt. Daneben haben wir einen enormen Bedarf an altersgerechtem Wohnen, an Tages-, Kurzzeit- und vollstationärer Pflege. Unser Konzept greift dies auf und wir gehen optimistisch in die Zukunft.

Auch der öffentliche Personennahverkehr, bei dem sich gerade im vergangenen Jahr vieles zum Besseren gewendet hat, gehört aufgrund Ihrer Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Biberach GmbH in Ihren Zuständigkeitsbereich. Wohin geht hier die Reise?

Mobilität ist ein Grundbedürfnis und Notwendigkeit. Im Zeichen des Klimaschutzes beginnt ein Umdenken, wie die Zukunft des Verkehrs und der Mobilität aussehen kann. Daraus wird zurzeit gerne eine weltanschauliche Auseinandersetzung gemacht. Das kann man tun und ist auch wichtig, für die Stadt müssen aber ganz konkrete und umsetzbare Lösungen her.

Wir sind ein starker Wirtschaftsstandort mit täglich 20 000 Einpendlern, die verschiedenste Verkehrsträger nutzen. Für die innerstädtischen Verkehre gibt es ein Radverkehrs- und Fußverkehrskonzept. Die Planungen an einem neuen ZOB hin zu einer Mobilitätsdrehscheibe schreiten voran.

In einem Gesamtverkehrskonzept muss allem Rechnung getragen werden. Wir haben den innerstädtischen Personennahverkehr in großen Schritten ausgebaut und dafür sehr viel Geld in die Hand genommen. Jetzt sollte nach und nach das Umland mit verbesserten Angeboten nach Biberach mit dazukommen. Ein erster Schritt ist auch hier bereits erfolgt.

Und wie sieht es mit E-Mobilität aus?

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Stadtwerke zukünftig auch auf alternative Antriebstechniken bei den Bussen setzen und in Sachen E-Mobilität zusammen mit der e.wa stärker in Erscheinung treten. Dazu gehört auch verstärkte Initiative bei regenerativ erzeugtem Strom und Wärme.

Was die wenigsten wissen: Sie sind auch noch Verbandsvorsitzender des Abwasserzweckverbandes Riß. In dieser Funktion haben Sie im September die erweiterte Kläranlage Warthausen eingeweiht. Solche Themen sind zwar wenig publikumswirksam, dafür buchstäblich lebensnotwendig.

Das stimmt. Am 26. April wollen wir der Öffentlichkeit unsere Investitionen und den Nutzen der Abwasserreinigung an einem Tag der offenen Tür in unserer erweiterten Kläranlage näherbringen.

Wie wichtig der Zugang zu sauberem Wasser ist, können wir im Gegensatz zu anderen Erdteilen gar nicht mehr ermessen oder nur dann, wenn es zu kurzfristigen Einschränkungen in der Wasserqualität kommt. Deswegen ist es in den Augen der Öffentlichkeit nicht mehr so spannend. Aber es ist eine sehr wichtige Aufgabe der Daseins- und Gesundheitsvorsorge.

Die Erweiterung der Kläranlage hat übrigens rd. 14,5 Mio. Euro gekostet.

Einen Normalsterblichen würde schon eine dieser Zuständigkeiten auslasten. Kann man das alles unter einen Hut bringen?

Die Aufgaben sind zeitlich und inhaltlich sehr fordernd. Glücklicherweise kann ich dabei auf ein sehr gutes Team von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern setzen. Die Schlagzahl der Stadtverwaltung ist angesichts der Vielzahl an Projekten sehr hoch. Das Gesamtpaket kann man nur in einem guten Team schultern.

Im Angesicht von so viel Arbeit: Schon mal bereut, dass Sie vom Landkreis zur Stadt gewechselt haben?

Dem Landkreis habe ich viel zu verdanken. Ich habe in der Zeit dort viele Erfahrungen gesammelt, die mir heute zugutekommen. Aber der Wechsel zur Stadt war richtig. In meiner neuen Position bin ich inzwischen gut angekommen und arbeite gerne für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger. Es gibt noch viel zu tun.