21.10.2019

2. Biberacher Frauenwirtschaftstage: Führen in Teilzeit ist möglich

Frauen stellen 51 Prozent der deutschen Bevölkerung. Viele von ihnen sind berufstätig, allerdings besetzen Frauen in Baden-Württemberg nur 27 Prozent der Führungspositionen und sind damit nach wie vor unterrepräsentiert. Deutschlandweit am höchsten ist der Anteil im Gesundheitswesen mit 38 Prozent, was sich auch daraus erklärt, dass über 50 Prozent der typischen Pflegeberufe von Frauen ausgeübt werden. Nach wie vor gibt es auch Unterschiede in der Bezahlung, eklatant mit über 25 Prozent bei Meisterinnen und Akademikerinnen.
Drei Frauen in Führungspositionen gaben Tipps auf Fragen der Besucherinnen.; © Stadt Biberach

Dies und weitere Rahmenbedingungen für Frauen in Führungspositionen legte Dagmar Neubert-Wirtz in ihrem Impulsvortrag beim zweiten Biberacher Frauenwirtschaftstag in Biberach dar, zu dem die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und die Wirtschaftsförderung der Stadt Biberach eingeladen hatten.

Erster Bürgermeister Ralf Miller, dem auch die Wirtschafsförderung bei der Stadt Biberach untersteht, freute sich Vertreterinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie der IHK Ulm, den Unternehmerfrauen im Handwerk, aus öffentlichen Verwaltungen und den Wirtschaftsjunioren begrüßen zu dürfen und bezeichnete es als wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel und zentralen Bestandteil einer zukunftsorientierten Standortpolitik, den Frauenanteil im Management zu erhöhen.

Dies habe auch „mit Unternehmenskultur, mit Freiräumen und der Abkehr von klassischen Denkmustern zu tun“. Biberach unterstütze und helfe dabei soweit möglich. Als Beispiel nannte er die Betreuungsangebote von der Kita über Kindergärten bis zu Ganztagesangeboten an den Schulen. „Damit wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen“, erklärte Miller.

Dass solche Angebote wichtig sind, kam denn auch bei der Gesprächsrunde mit Stefanie Fischer, Manja Peter und Eva-Britta Wind zum Ausdruck, die über ihre Erfahrungen in Führungspositionen berichteten und auch Fragen der Teilnehmerinnen beantworteten.

Sie sei eine „leidenschaftliche Berufstätige“ und könne sich nur schwer vorstellen, nicht berufstätig zu sein, ließ die zweifache Mutter, Prokuristin und Kaufmännische Leiterin im Familienbetrieb Stefanie Fischer wissen, auch wenn sie als Jugendliche nie den Wunsch nach einer Führungsposition gehabt habe.

Die freiberufliche Architektin und Mutter von vier mittlerweile erwachsenen Kindern Manja Peter durfte in ihrem Berufsleben wie sie sagt viel von Männern lernen, „Klarheit und Struktur“, hat aber die Erfahrung gemacht, als Frau mehr können und wissen zu müssen, um gleichberechtigt behandelt zu werden.

Letzteres bestätigte die Erste Bürgermeisterin der Stadt Laupheim Eva-Britta Wind. Auf ihrem Berufsweg mit Kind in eine Führungsposition habe sie aber auch große Unterstützung aus der Verwaltung erhalten. Mittlerweile arbeitet sie in Vollzeit und ihr Mann in Teilzeit. Vielen Männern sei noch nicht bekannt, dass sie Elternzeit nehmen könnten. Hier bestehe Aufklärungsbedarf.

Einigkeit bestand, dass Frauen einfach anders sind und agieren, andere Prioritäten setzen und dazu auch stehen und als Frauen zusammenhalten sollten. Dass Abstriche gemacht werden müssen, um Familie und Führungsposition in Einklang zu bringen und dass Frau dabei an sich selbst zuletzt denkt, wurde unisono festgestellt, weshalb es wichtig sei, dass jede Frau den für sie richtigen Weg findet, den Mut hat, gegebenenfalls in Abstimmung mit der Familie Entscheidungen zu treffen und wenn nötig anzupassen, sich aber nicht von Dritten beirren lassen sollte.

„Führen in Teilzeit ist möglich“, darin waren sich die Anwesenden bei einer abschließenden Spontanabstimmung einig. Und ebenso zuversichtlich, dass es künftig mehr Frauen in Führungspositionen geben wird.

Beim Stehempfang tauschten sich die Frauen aus und es wurden eifrig Netzwerke geknüpft; © Stadt Biberach