14.01.2022

Zeitzeugen für Sonderausstellung gesucht

Das Museum Biberach plant für Mai bis Oktober eine Sonderausstellung zum Thema „Flüchtlinge und Vertriebene nach dem Zweiten Weltkrieg“. Es ist kaum zu glauben, aber im Jahr 1960 bildeten Flüchtlinge und Vertriebene in Biberach beinahe ein Drittel der Bevölkerung. Das Museum sucht nach Zeitzeugen und bittet um Kontaktaufnahme.
Ein eindringliches Gemälde der Malerin Hanna Ilg (München 1918 – Biberach 2014) mit dem Titel „Entsetzen“, um 1950 entstanden in Erinnerung an einen Bombenangriff auf München 1944.; © Stadt Biberach

Es scheint heute weitgehend vergessen zu sein, dass das geteilte und zerstörte Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 14 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen hat. Allein im kleinen Biberach waren es zwischen 1945 und 1960 fast 6000 Menschen.

Zählte Biberach 1939 noch 11400 Einwohner, so waren es im Jahr 1960 schon 21000 Einwohner. Der überwiegende Anteil der Neubürger waren Flüchtlinge und Vertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern, Deutschböhmen und den donauschwäbischen Gebieten.

Heute, nach mehr als einem halben Jahrhundert, erscheint die Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen geglückt. Aber die historische Wirklichkeit verlief weder harmonisch noch integrativ.

Jahrzehntelang wurden Flüchtlinge und Vertriebene abfällig behandelt, benachteiligt und als Bürger am Rande Biberachs angesehen. Es ist bezeichnend, dass die erste Flüchtlingssiedlung 1951 beim Auffanglager im Gaisental am damaligen Stadtrand angelegt wurde, ebenso wie das später noch weiter nach außen vorgeschobene Weiße Bild.

Wie haben die damals Betroffenen ihre neue kalte Heimat erlebt? Unter welchen Bedingungen sind sie nach Biberach gekommen? Wie beschreiben sie ihre Integration? Bedeutete sie Anpassung oder wurden kulturelle Eigenarten bewahrt? Welche Beiträge zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Biberachs nach 1945 haben die Flüchtlinge und Vertriebenen erbracht?

Diesen Fragen wird die geplante Ausstellung im Museum Biberach nachgehen, und lässt dabei Flüchtlinge und Vertriebene selbst zu Wort kommen, in seltenen Film- und Tonaufnahmen aus den 1950er und 1980er Jahren sowie in aktuellen Interviews und mit originalen Dokumenten.

Die Ausstellung möchte das Gefühl der Ausgrenzung nachvollziehbar machen, wie es tausende Flüchtlinge und Vertriebene in Biberach in den 1950er Jahren empfunden haben.

Dazu kontrastiert sie alltäglich und unscheinbar wirkende, private Erinnerungsstücke mit Großfotos aus dem Biberacher Stadtbild und ausgewählten Biberacher Kunstwerken aus den 1950er Jahren. 

Hörstationen mit Originalaussagen von Flüchtlingen und Vertriebenen sowie zeitgenössische Filmausschnitte steigern die Eindringlichkeit der Darstellung.

Auch der Gegenwartsbezug zur globalen Flüchtlingsproblematik wird angedeutet.

Information:

Zeitzeugen können sich beim Museum telefonisch melden unter 07351/51331 oder per E-Mail an museum@biberach-riss.de