15.05.2024

Neue Heizzentrale muss mehr Wärme erzeugen

Die Stadt treibt den Ausbau des Nahwärmenetzes in der südlichen Innenstadt weiter voran. Derzeit wird im Zuge der Sanierung der Memelstraße das Wärmenetz bis zur Wilhelm-Leger-Straße verlegt und das LiebherrHochhaus angeschlossen. Außerdem erhält das Pestalozzi-Gymnasium einen Anschluss. Der Bauausschuss wurde vergangene Woche über den weiteren Netzausbau informiert und schlug dem Gemeinderat die Vergabe von Planungsleistungen für den Neubau der Heizzentrale in der Breslaustraße vor. Diese entsteht auf dem bisherigen Behördenparkplatz und wird deutlich größer ausfallen als ursprünglich angedacht.
In der Sennhofgasse sind die Leitungen für das Nahwärmenetz bereits verlegt.; © Stadt Biberach

Im Juli 2023 war der Bauausschuss zuletzt über den Stand des Nahwärmenetz-Ausbaus in der südlichen Innenstadt informiert worden. Seither ist nicht nur der Ausbau vorangeschritten, auch die Rahmenbedingungen haben sich teils gravierend verändert, gerade bei den Förderprogrammen. Aktuell betrifft dies die neue Heizzentrale in der Breslaustraße.

Die im vergangenen Jahr beschlossenen Planungsvergaben für das Projekt konnten nicht erfolgen, da der Bund für das Förderprogramm effiziente Wärmenetze eine kumulative Betrachtung aller Planungsleistungen fordert. Um die Zuschüsse nicht zu gefährden, musste die Verwaltung die Planungsleistungen europaweit ausschreiben. „Dadurch haben wir ein dreiviertel Jahr verloren“, erklärte Baubürgermeister Christian Kuhlmann. Mit Blick auf die zu erwartende 40-prozentige-Förderung sei dieses Prozedere aber alternativlos.

„Da geht es um Millionenbeträge.“ Insgesamt haben sich 25 Büros um die Planungsleistungen in den vier Fachrichtungen beworben. Stufenweise beauftragt werden sollen Gurland & Seher aus Biberach (Architektur), Meinhardt + Glanz Ingenieurpartnerschaft aus Biberach (Tragwerksplanung), Ingenieurbüro Walter Spleis aus Laupheim und „ECB Gesellschaft zur Optimierung der Nutzung regenerativer Energien“ aus Prien am Chiemsee (Transformationsplanung). Letztere Planungsleistung bildet die Grundlage für die Dimensionierung und Ausgestaltung des weiteren Netzausbaus und der Heizzentrale Breslaustraße.

Hohe Nachfrage

Aufgrund der immer noch hohen Nachfrage müsse die neue Heizzentrale grundsätzlich anders geplant werden als noch im vergangenen Jahr, führte Kuhlmann aus. „1.000 Kilowatt Leistung ist zu wenig, die neue Heizzentrale muss deutlich mehr Wärme liefern können.“ Wie viel, werden die nächsten Planungsschritte zeigen. Bislang war als Basis für die Wärmeerzeugung die Verbrennung von Landschaftspflegeholz vorgesehen. „Biomasse soll aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielen“, so der Baubürgermeister. Jetzt solle – auch aufgrund der aktuellen Förderpolitik der Bundesregierung – die Nutzung von Grund- und Flusswasser als Wärmequelle für eine Großwärmepumpe stärker in den Fokus rücken. Tiefengeothermie könne ersten Untersuchungen zufolge wenn dann ergänzend genutzt werden.

Gebaut werden soll die neue Heizzentrale in den Jahren 2025 und 2026. Wärme kann frühestens in der Heizperiode 2026/27 angeboten werden. Die für das laufende Jahr erforderlichen Planungsund Baukosten sind im Haushaltsplan mit einem Ansatz von 3,5 Millionen Euro finanziert, außerdem steht eine Verpflichtungsermächtigung in Höhe von rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Die Netzanbindung zum Zeppelinring hinein in die Pfluggasse soll parallel zum Bau der Heizzentrale vorangetrieben werden. In den weiteren Bauabschnitten vier und fünf soll das Netz über die Pfluggasse in die UlmerTor-Straße geführt werden.

Geplant sind diese Abschnitte 2025 und 2026 – die Verwaltung stuft diesen Zeitplan aber als „sehr ambitioniert“ ein. Kuhlmann merkte abschließend an, dass er selten ein komplexeres Thema als den Bau des Wärmenetzes erlebt habe. Wirtschaftlich betrachtet stehe die Stadt bislang aber gut da. Der Bau der Heizzentrale in der Memelstraße sei 360.000 Euro günstiger gewesen als geplant. Auch im mittlerweile abgeschlossenen zweiten Bauabschnitt musste weniger ausgegeben werden. Da in der Schulstraße keine neue Leitung verlegt werden musste und die Erschließung der Mehrfamilienhäuser in der Adenauerallee zurückgestellt wurde, wurden gar 575.000 Euro weniger benötigt. Demgegenüber stehen 280.000 Euro Mehrkosten bei der Heizzentrale Wieland-Gymnasium. Die bislang an das Netz angeschlossenen Hauseigentümer haben an die Stadt einen Baukostenzuschuss in Höhe von 9.500 Euro netto gezahlt.

Für die weiteren Bauabschnitte geht die Stadt aber aufgrund der gestiegenen Kosten von einem deutlichen höheren Beitrag aus. Die Fraktionen betonten, wie wichtig der Ausbau des Nahwärmenetzes sei – wohlwissend, dass diese Aufgabe nicht zwingende eine städtische ist. Waltraud Riek (SPD) sprach von einem „ganz wichtigen Infrastruktur-Projekt“. Sie hoffe, dass die e.wa riss beim Ausbau und Betrieb im restlichen Stadtgebiet einsteige. Außerdem bat Riek darum, Eigentümergemeinschaften rechtzeitig bei der Planung von Anschlüssen miteinzubeziehen, da diese mehr Vorlaufzeit bräuchten. „Erschreckend“ sei, dass Tiefengeothermie nur als ergänzende Wärmequelle genannt werde.

Günter Warth (FDP) verwies darauf, dass in der Innenstadt ein Wärmenetz oftmals die einzige Möglichkeit sei, regenerative Energien zu nutzen. Entscheidend für den Erfolg des Netzes sei die Wirtschaftlichkeit, sowohl bei Privaten als auch bei Gewerbetreibenden.

„Komplex und teuer“

Auch Friedrich Kolesch (CDU) betonte, dass speziell in der Innenstadt das Wärmenetz die einzige Möglichkeit in Richtung CO2 -neutrale Wärmeversorgung sei. „Das Thema ist komplex, teuer und mit viel Unbill verbunden, wir sehen aber keine Alternative.“ Als Nächstes müssten der Betrieb der Nahwärmeversorgung in der Riedlinger Straße und der Standort der Heizzentrale in der nördlichen Innenstadt geklärt werden.

Josef Weber (Grüne) bezeichnete die Riß direkt neben dem neuen Standort der Heizzentrale Breslaustraße als „größten Segen“. Diese Wärmequelle müsse genutzt werden, Holz könne ein ergänzender Energieträger sein. Auch Weber brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass die e.wa riss Interesse am weiteren Netzausbau hat.

Magdalena Bopp (FW) thematisierte die „langen Straßensperrungen“ in Verbindung mit Netzausbau. In den nächsten Bauabschnitten, beispielsweise in der Ulmer-Tor-Straße, sollten diese ihrer Ansicht nach nicht mit der Sanierung der Riedlinger Straße zusammenfallen. „Wir hoffen, dass die Zuschüsse wie geplant kommen“, so Bopp, die auch die Wichtigkeit der Suche nach einem künftigen Netzbetreiber betonte.

Baubürgermeister Kuhlmann erklärte, dass man im Bereich Pfluggasse/UlmerTor-Straße zwangsläufig Beeinträchtigungen parallel zur Riedlinger Straße haben werde. „Wichtig ist, dass der Ring freibleibt und funktioniert.“ Bei der Tiefengeothermie zeichne sich ab, dass die erhofften 40 bis 50 Megawatt „bei Weitem nicht erreicht werden“. Man bewege sich wohl eher im Bereich von vier oder fünf Megawatt.

Die Mitglieder des Bauausschusses sprachen sich einstimmig für die Vergabe der Planungsleistungen an die vier Büros aus. Abschließend befasst sich der Gemeinderat am 6. Juni mit der Weiterentwicklung des Nahwärmenetzes.