19.06.2019

Mehr Stellen für Schulsozialarbeit in Biberach

Die Schulsozialarbeit in Biberach ist auf einem sehr guten Weg und sie rechtfertigt aus Sicht der Verwaltung den Ausbau um jeweils eine 0,25-Stelle an der Gaisental-Grundschule, der Mali- Gemeinschaftsschule und der Dollinger- Realschule mit Beginn des neuen Schuljahres.

Zu diesem Ergebnis kommt ein Evaluationsbericht. Der Gemeinderat hat die Stellenerhöhung einhellig befürwortet. Diese Arbeit macht, wie bisher auch, der Verein Jugend Aktiv e. V., allerdings begrenzt auf zwei Jahre.

Wenn die Plätze für Zuhörer alle besetzt sind im Biberacher Ratssaal, was selten genug vorkommt, muss etwas Wichtiges verhandelt werden. Und wenn es sich bei diesen Zuhörern fast ausnahmslos um Schulleiter und Elternbeiräte handelt, muss es um Schulpolitik gehen. Es ging um Schulsozialarbeit.

Die Elternbeiräte der Ringschnaiter Schule wollten in der Bürgerfragestunde wissen, warum man bei ihnen keinen Bedarf für Schulsozialarbeit abgefragt habe, wohin man sich bei Problemen wenden könne und ob der Teilort anders behandelt werde wie die Kernstadt? Erster Bürgermeister Ralf Miller und zuständiger Dezernent antwortete, der Antrag der Teilort-Grundschulen zur Evaluation sei zu spät eingegangen. Zudem könne nur dort evaluiert werden, wo es Schulsozialarbeit bereits gebe; das sei in Ringschnait aber nicht der Fall. Aus diesem Grund würden die Teilorte separat behandelt. Die Verwaltung werde mit den Schulleitungen der Teilort-Grundschulen Gespräche führen und die notwendigen Schlüsse ziehen.

Die im Herbst/Winter 2018/2019 von externen Experten durchgeführte Evaluation hat gezeigt, dass die Schulsozialarbeit an allen städtischen Schulen einen hohen Stellenwert genießt und erfolgreich arbeitet. Zwei Drittel der Befragten (Eltern, Lehrer, Schüler) hielten sie für sehr gut oder gut. Die Zusammenarbeit zwischen der Schule und der Schulsozialarbeit werde als sehr positiv und wertschätzend beschrieben.

An der Gaisental- Grundschule, der Mali-Gemeinschaftsschule und der Dollinger-Realschule sei Schulsozialarbeit in erster Linie Einzelfallarbeit. An allen Schulen bestehe eine gute Vernetzung sowohl innerhalb der Schule als auch mit den außerschulischen Einrichtungen.

Die Experten kommen zu dem Schluss, der Ausbau der Schulsozialarbeit hat sich bewährt und sollte keinesfalls zurückgenommen werden. Es gehe vor allem um niederschwellige Gesprächsangebote und um Beziehungsarbeit. „Die Schulsozialarbeit entlastet die Lehrkräfte im Bereich des sozialen Miteinanders, die sich dadurch auf ihre Hauptaufgaben bei der Wissens- und Kompetenzvermittlung konzentrieren können“, sagte Ralf Miller.

An der Dollinger-Realschule, der Mali-Gemeinschaftsschule und der Gaisental- Grundschule sollte das Stellenkontingent deshalb aufgestockt werden (jeweils um eine 25-Prozent-Stelle). Geleistet wird die Schulsozialarbeit an den städtischen Schulen in Biberach bisher vom Verein Jugend Aktiv e. V. und die Stadt Biberach übernimmt die Personal- und Sachkosten.

Im Gemeinderat wurde im Herbst 2018 die Frage aufgeworfen, ob die Schulsozialarbeit nicht besser direkt bei der Stadt angesiedelt werden sollte. Diese Frage soll im Herbst bei einem gemeinsamen Workshop von Verwaltung und Gemeinderat diskutiert werden. Der Vertrag mit Jugend Aktiv soll daher nur für zwei Jahre bis zum 31. Juli 2021 verlängert werden. Der städtische Mehraufwand für die zusätzlichen drei-Mal-0,25-Prozent-Stellen beträgt 32 375 Euro. Die Gesamtkosten für die Stadt liegen bei 324 525 Euro.

Robert Barthold, der geschäftsführende Schulleiter der Biberacher Schulen, bedankte sich bei Stadt und Gemeinderat für die Unterstützung in dieser Hinsicht. Das sei wichtig und notwendig, aber keine Selbstverständlichkeit, betonte er. Barthold hätte sich allerdings gewünscht, dass die Schulleiter wie 2013 in den Prozess der Evaluierung einbezogen worden wären. „Die Schulleiter waren Teil der Datenerhebung, wurden dann aber nicht mehr beteiligt.“ Das habe man vermisst und es sei nicht nachvollziehbar, zumal er selbst mehrfach um Einbindung gebeten habe.

Allen Fraktionen war es in der Diskussion wichtig, dass man auch die Teilorte in das Konzept der Schulsozialarbeit einbezieht und alle stimmten der Aufstockung bei den drei genannten Schulen zu. Peter Schmogro (CDU) sagte, Schule entwickle sich immer mehr zu einem Ganztagsbetrieb, sie werde zu einem Lernzentrum für Alltagskompetenz und in diesem Zusammenhang sei Schulsozialarbeit unverzichtbar.

Auch Dr. Rudolf Metzger (SPD) sieht die Schulsozialarbeit als integralen Bestandteil der Schule; das Evaluationsergebnis zeige, dass die Stadt hier gut aufgestellt sei; dem pflichtete auch Ulrich Heinkele (FW) bei; er monierte, dass die Arbeit, die die Stadt hier leiste, eigentlich Aufgabe von Bund und Land sein müsse.

Das Konzept sei langfristig angelegt, die Stadt sei hier auf dem richtigen Weg, sagte Dr. Manfred Wilhelm (Grüne). Handlungsbedarf bei der Trägerschaft der Schulsozialarbeit sehen die Grünen anders als die FDP nicht. Christoph Funk (FDP) sieht hier die Stadt selbst gefordert, „vielleicht sogar mit einem eigenen Jugendamt“.

Die soziale Spaltung und die zunehmenden kulturellen Unterschiede machten die Arbeit an den Schulen nicht leichter, deshalb werde die Schulsozialarbeit noch mehr Bedeutung gewinnen, sagte Ralph Heidenreich (Die Linke). Auch er sieht hier das Land und den Bund gefordert.

Oberbürgermeister Zeidler dankte abschließend allen an der Evaluation Beteiligten, insbesondere den Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern für die große Beteiligung an der schriftlichen Befragung sowie den Schulleitungen der untersuchten Schulen für die Kooperation.

Team der Schulsozialarbeiter von Jugend Aktiv e.V.