06.12.2018

Großflächig gesundes Stadtklima

Die Firma GEO-NET Umweltconsulting aus Hannover hat im Auftrag der Stadt Biberach eine Stadtklimaanalyse für den Verwaltungsraum Biberach erarbeitet. Im Vergleich zu anderen deutschen Groß- und Mittelstädten weist der Verdichtungsraum Biberach ein großflächig gesundes Stadtklima auf. Der Bauausschuss hat mehrheitlich zugestimmt, diese Analyse als Grundlage bei allen weiteren räumlichen Planungen zu berücksichtigen.
Planungshinweiskarte für den Verdichtungsraum Biberach. Rot und Violett sind die klimatischen Problemzonen, Hellblau die Kaltluftleitbahnen.

Ein weiteres Ergebnis dieser Analyse ist, dass es im Stadtgebiet durchaus auch thermisch belastete Siedlungsbereiche gibt, deren bioklimatische Situation mindestens erhalten oder durch geeignete Maßnahmen verbessert werden sollte. Für diese belasteten Bereiche sollten bei Planungen folgende Maßnahmen zum Einsatz kommen: Offenhaltung von Leitbahnen für die Kalt- und Frischluftzufuhr; Bäume in der Stadt als verschattendes Element; Grünflächen in den Wohnquartieren; klimatisch günstige Gebäudetypologien verwenden; sommerlicher Wärmeschutz an Gebäuden, Dach- und Fassadenbegrünung.

Carola Christ vom Stadtplanungsamt betonte, dass es sich hier um ein Rechenmodell handle. Die Klimaanalyse biete eine sehr gute Grundlage, um klimatische Aspekte bei der räumlichen Planung zu berücksichtigen. Man müsse jedoch die jeweilige Problemlage immer im Einzelfall prüfen und dann dementsprechende Maßnahmen ergreifen.

Augenmerk auf das Bioklima

Für die Stadt Biberach liegt die letzte Klimaanalyse 36 Jahre zurück. Aktuell sollten Bauleitpläne unter anderem den Klimaschutz und die Klimaanpassung – insbesondere auch in der Stadtentwicklung – berücksichtigen und fördern. Die Verwaltungsgemeinschaft hat daher entschieden, für den gesamten Verwaltungsraum eine Stadtklimaanalyse erarbeiten zu lassen. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf das Bioklima, das auf den Menschen wirkt, gerichtet.

Ausgangspunkt war eine hochsommerliche Wetterlage. In der Nacht belastete Siedlungsflächen treten insbesondere in der erweiterten Innenstadt Biberachs auf, während sich die bioklimatische Situation mit zunehmender Entfernung zum Kernbereich tendenziell verbessert.

Die innerstädtischen Parkanlagen und die stadtnahen Frei-/Grünflächen, die als Einzugsgebiete für Kaltluftleitbahnen dienen, haben eine große Bedeutung für die Abkühlungsprozesse bei Nacht. Diese Kaltluftleitbahnen bringen kühle, frische Luft in Richtung belasteter Siedlungsräume. Deshalb sollten sie erhalten oder verbessert werden. Es werden Kaltluftleitbahnen in Priorität 1 (Wolfental, Reichenbach) und Priorität 2 (Schlierenbach, Mumpfental, Bachlanger Tal, Kanonenberg, Mettenberger Graben) unterschieden.

Der geplante Hochwasserdamm im Wolfental hat übrigens eine sehr geringe Abschwächung der Kaltluftzufuhr zur Folge. Wo Siedlungsflächen bioklimatisch mittelmäßig bewertet werden, empfiehlt die Analyse: Entsiegelungen, Erhöhung des Vegetationsanteils, Erhalt und Entwicklung von Grünflächen, Verschattung von Straßenraum und Plätzen, günstige Baukörperstellung, Wärmedämmung an Gebäuden, Fassaden- und Dachbegrünungen. Bei einer ungünstigen Bewertung soll zusätzlich keine weitere Verdichtung zulasten von Grün- und Freiflächen erfolgen, sondern eine Verbesserung der Durchlüftung.

Eine sehr ungünstige bioklimatische Situation weisen die Kernstadt, die Gewerbegebiete entlang der Memminger Straße, in Teilbereichen der Freiburger und Bleicherstraße sowie in Aspach auf. Bei den Grün- und Freiflächen mit hoher und sehr hoher bioklimatischer Bedeutung sollten bauliche Eingriffe nur unter hohen Auflagen genehmigt werden und in Bereichen mit sehr hoher Bedeutung gänzlich vermieden werden.

Zusammenarbeit mit der Hochschule?

Friedrich Kolesch (CDU) stufte die Stadtklimaanalyse als sehr wichtig ein und empfahl nachdrücklich, bei diesem Thema intensiv mit der Hochschule Biberach zusammenzuarbeiten. Lutz Keil (SPD) betonte, man müsse die Klimakonzepte, die an Stadtgrenzen eben nicht halt machten, gemeinsam mit der Region entwickeln.

Magdalena Bopp (FW) regte an, anstatt Dachbegrünungen verpflichtend zu machen (wie es SPD und Grüne immer wieder fordern), mehr Grünflächen zu schaffen, verstärkt Hecken, Gehölze, Sträucher und Bäume zu pflanzen und bestehende Freiflächen nicht zuzubauen. Josef Weber nannte Kempten als Vorbild in Sachen Fassaden- und Dachbegrünung und schlug vor, beim neuen Feuerwehrgebäude das Dach zu begrünen. „Das ist doch ein Geschenk der Natur“, sagte Weber. Die Grünen lobten zwar grundsätzlich die Analyse, stimmten dem Beschluss jedoch nicht zu, weil sie Dachbegrünungen bei Neubauten gerne zur Pflicht machen würden.

Baubürgermeister Christian Kuhlmann sagte abschließend, beim neuen Bahnhofsumfeld werde man aufgrund der hohen Wärmebelastung über eine verpflichtende Flachdachbegrünung nachdenken.

Planungshinweiskarte Verdichtungsraum Biberach [PDF: 5,8 MB]