16.01.2020

Erhalt von Kulturgütern im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung

Die beste Garantie für den Erhalt eines Kulturdenkmals ist seine Nutzung. Da herrscht Einigkeit bei Denkmalpflegern, Architekten, Stadtplanern, bei unterer Denkmalschutzbehörde, aber auch Investoren und Bauherren. Einem leer stehenden, denkmalgeschützten Gebäude werden letztlich keine Perspektiven eingeräumt.

Strittig ist allerdings in vielen Fällen der Weg zu einer sinnvollen Nutzung. Bei der Herbsttagung der Landesgruppe Baden-Württemberg der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) in Biberach wurde das Thema „Denkmalschutz und Stadtentwicklung – Chance und Herausforderung entsprechend kontrovers diskutiert.

Die Sanierung des Biberacher Gebäudes „Marktplatz 40 – Salzstadel“ ist ein gelungenes Projekt. 40 Experten aus dem Bereich Stadtplanung und Denkmalschutz diskutierten auf Einladung von Baubürgermeister Christian Kuhlmann im Gemeindehaus St. Martin konkrete Fragestellungen im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung. Wie kann es gelingen, Einzelhandel, Dienstleistung oder attraktives Wohnen in denkmalgeschützte Bausubstanz zu integrieren? Wo sind die Grenzen der wirtschaftlichen Zumutbarkeit? Wie viel Veränderung verträgt ein Kulturdenkmal?

Die daraus resultierenden komplizierten und langwierigen Planungs- und Entscheidungsprozesse sorgen durch unterschiedliche Auffassungen nicht selten für Kontroversen. Unabdingbar ist der Respekt gegenüber einem besonderen Kulturgut, was sensible Anpassungen an heutige Nutzungsansprüche nicht ausschließen sollte. Daraus entstehende Konflikte könnten durch aufmerksames Zuhören und Verstehen der unterschiedlichen Sichtweisen minimiert werden.

„Der zeitliche und finanzielle Aufwand für Abstimmungen, Voruntersuchungen, Planung und Genehmigungen wird hoch bleiben“, ist sich Christian Kuhlmann sicher, „Umbau oder Sanierung eines Denkmals ist nicht frei von Überraschungen und Risiken“. Dennoch kann es für einen privaten Bauherren auch finanziell interessant sein, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Christian Schmid von der gleichnamigen Baltringer Firma, die das Projekt Marktplatz 40 mit der Buchhandlung Osiander realisiert hat, sprach sich klar dafür aus, auch zukünftig in vergleichbare Objekte zu investieren. Diese Haltung teilt Geschäftsführer Bernd Jäger von der Firma Jako Baudenkmalpflege aus Rot a. d. Rot.

Für Biberach ist jedenfalls der Salzstadel ein weiteres Beispiel dafür, wie die Innenstadt durch Erhalt und Sanierung historischer und die Integration attraktiven Einzelhandels in diese Gebäude an Attraktivität gewinnt. Die neu gestalteten Räume machen die Geschichte des Hauses erlebbar. Gewölbekeller, über zwei Geschosse reichende Holzstützen, eine alte Holzbohlendecke und anderes mehr sind wieder freigelegt worden. Geschichte wird greifbar.

Salzstadel