15.05.2024

Agri-PV-Anlage bei Bergerhausen geplant

Zwischen Bergerhausen und Winterreute will ein Investor eine Agri-Photovoltaik-Anlage errichten – es wäre die erste auf Biberacher Gemarkung. Notwendig ist für das Projekt, das gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung und Stromproduktion auf der 4,4 Hektar großen Fläche ermöglichen soll, ein vorhabenbezogener Bebauungsplan. Dem entsprechenden Verfahren zur Aufstellung des Bebauungsplans hat der Bauausschuss bei der Vorberatung mit großer Mehrheit zugestimmt.
Agri-PV-Anlagen ermöglichen eine Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen. Bei Bergerhausen plant ein Investor eine solche Anlage.; © Energiewerk

Erst Ende 2023 ist der Flächennutzungsplan (FNP) 2035 der Verwaltungsgemeinschaft Biberach verabschiedet worden. Darin enthalten: ein Standort mit dem Ziel, eine Agri-PV-Anlage zu ermöglichen. Diese 8,4 Hektar große Fläche befindet sich in Stafflangen. Hier zeichnet sich zwischenzeitlich allerdings ab, dass das Projekt in der beschlossenen Größe mangels des wirtschaftlichen Netzanschlusses wohl nicht realisiert wird. Stattdessen liegt der Stadtverwaltung nun ein Antrag der Firma Energiewerk aus Ulm für eine Agri-PV-Anlage östlich der B 30, unterhalb der Straße zwischen Bergerhausen und Winterreute, vor.

Dieser Standort ist für ein solches Projekt nicht im FNP berücksichtigt. Aus Sicht der Verwaltung spricht aber nichts dagegen, diese Fläche entsprechend auszuweisen. „Das Projekt hat eine Vorbildfunktion, deshalb würden wir es gerne unterstützen“, sagte Baubürgermeister Christian Kuhlmann im Bauausschuss. Neben der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans müsste bei der nächsten FNP-Änderung diese Sonderbaufläche aufgenommen werden.

Von den Fraktionen gab es überwiegend Zustimmung. „Ich hoffe, wir befassen uns mit einem solchen Antrag nicht zum letzten Mal“, sagte Gabriele Kübler (SPD). Es sei gut, dass sich in diese Richtung immer mehr bewege.

Oliver Lukner (FDP) verwies auf die Überlegungen bei der Aufstellung des FNP. Seinerzeit sei die Fläche nicht bei den für ein solches Vorhaben geeigneten gewesen. „Scheinbar haben Investoren eine andere Einschätzung.“ Er sei aber grundsätzlich dafür, hier flexibel auf die Nachfrage zu reagieren. Lukner merkte auch an, dass es hier „um richtig viel Geld“ gehe und man die Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Pachtpreise im Auge behalten müsse.

Die CDU-Fraktion begrüße, dass an dieser Stelle eine Agri-PV-Anlage umgesetzt werden soll, sagte Paul Lahode. Er mahnte aber auch an, dass die Diskrepanz zum FNP nicht zu groß werden dürfe.

Josef Weber (Grüne) erklärte, er heiße Agri-PV grundsätzlich gut, äußerte in diesem Fall aber trotzdem aufgrund des Flächennutzungsplans deutliche Kritik. „Vor Weihnachten wurde der FNP abgeschlossen, jetzt verlassen wir ihn schon wieder. Das kann doch nicht sein.“ Ein Teil seiner Fraktion könne deshalb nicht zustimmen. Weber regte zudem an, Teile der ohnehin schon versiegelten B 30 mit PV-Anlagen zu überdachen.

Flavia Gutermann (FW) sagte, sie könne zustimmen. Sie habe sich lediglich über die verhältnismäßig kleine Fläche gewundert und sich gefragt, ob das wirtschaftlich sinnvoll sei. Der Vertreter der Firma Energiewerk, Dominik Bohlmann, erklärte, dass solche Projekte durchaus auch in Bereichen ab zwei Hektar wirtschaftlich sein könnten. Entscheidend sei der Zugang zum öffentlichen Stromnetz. Dieser sei hier mit dem direkt an die Fläche grenzenden Netzverknüpfungspunkt gegeben.

Christian Kuhlmann präzisierte in Reaktionen auf die Wortmeldungen, dass man beim Flächennutzungsplan nicht konkret über Agri-PV, sondern über PV-Anlagen in freier Landschaft gesprochen habe. Eine Doppelnutzung der Fläche wie in diesem Fall sei aber begrüßenswert.

Bei zwei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen der Grünen-Fraktion stimmte der Bauausschuss mehrheitlich für den Aufstellungsbeschluss des vorhabenbezogenen Bebauungsplans „AgriPV Sankt Johanneseschle“. Die finale Entscheidung trifft der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung.